Beim Neujahrsempfang plädiert der Oberbürgermeister für weniger Trump und für mehr Bildung und Verantwortung.

Beim Neujahrsempfang plädiert der Oberbürgermeister für weniger Trump und für mehr Bildung und Verantwortung.
Vertreter der Krefelder Schulen mit Oberbürgermeister Frank Meyer (M.): Dezernent Gregor Micus, Christoph Stirken (Hausmeister), Schulleiterin Elisabeth Völlings, Claudia Wichmann und Thomas Jansen (Vertreter Stadtschulpflegschaft sowie (vordere Reihe rechts) die Schüler Jan Riemersperger und Alexander Baranowski. Fotos (3): abi

Vertreter der Krefelder Schulen mit Oberbürgermeister Frank Meyer (M.): Dezernent Gregor Micus, Christoph Stirken (Hausmeister), Schulleiterin Elisabeth Völlings, Claudia Wichmann und Thomas Jansen (Vertreter Stadtschulpflegschaft sowie (vordere Reihe rechts) die Schüler Jan Riemersperger und Alexander Baranowski. Fotos (3): abi

Das Cello-Ensemble des Moltke-Gymnasiums sorgte für die musikalische Begleitung (l.), zur Freude der Gäste (r.)

Das Cello-Ensemble des Moltke-Gymnasiums sorgte für die musikalische Begleitung (l.), zur Freude der Gäste (r.)

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Vertreter der Krefelder Schulen mit Oberbürgermeister Frank Meyer (M.): Dezernent Gregor Micus, Christoph Stirken (Hausmeister), Schulleiterin Elisabeth Völlings, Claudia Wichmann und Thomas Jansen (Vertreter Stadtschulpflegschaft sowie (vordere Reihe rechts) die Schüler Jan Riemersperger und Alexander Baranowski. Fotos (3): abi

Krefeld. Krefelds Oberbürgermeister fliegt verbal gern mal eine Schleife, bevor er in Krefeld landet. Das tut er auch im Stadtwaldhaus vor 400 Gästen. Frank Meyers Neujahrsansprache an die Krefelder beginnt in Washington D.C., wo Donald Trump in den nächsten Stunden das Amt des mächtigsten Mannes der Welt übernimmt. Und Meyer warnt, dass Trump – dieses Synonym für Desinformation, Irreführung und Propaganda – auch Krefeld erreicht hat.

„Wir brauchen Bildung, Bildung, Bildung! Im politischen Sinne, im medialen Sinne, aber auch ganz klassisch im humanistischen Sinne.“

Frank Meyer, Oberbürgermeister

Es ist das Thema der Stunde. Krefeld spricht über Fake News (Anmerk. d. Red.: Falsche Nachrichten), schaut bange über den großen Teich und ist sich dessen bewusst, dass der gesellschaftliche Ton rauer wird. Im Netz, auf der Straße. Nicht nur, aber besonders im Vorfeld der Land- und Bundestagswahlen.

Meyer schafft es geschickt, den Bogen zu spannen: „Aber was lernen wir daraus? Was lernen wir aus Trumps Wahlsieg, aus dem Brexit, aus dem Aufstieg der Rechtspopulisten in Europa, aus den Wahlerfolgen der AfD? Die wichtigste Folgerung lautet aus meiner Sicht: Wir brauchen Bildung, Bildung, Bildung! Im politischen Sinne, im medialen Sinne, aber auch ganz klassisch im humanistischen Sinne.“

Und da sei Krefeld auf dem Weg: 58 Millionen Euro habe man in den Haushalt eingestellt für die viel zu lange vernachlässigte Sanierung der Schulen, 30 Millionen kommen noch hinzu aus dem Landes-Programm „Gute Schule 2020“, die vierte und fünfte Gesamtschule sollen künftig das Ende der Hauptschule in Krefeld auffangen.

40 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in den Ausbau der U3-Betreuung gesteckt. Natürlich sei das zunächst mal die Investition in Steine, wenn auch eine elementar wichtige. „Aber es gehört auch zu einem ehrlichen Umgang, sich einzugestehen: Bauliche und technische Verbesserungen werden die Probleme unserer Schulen alleine nicht lösen.“

Deshalb erwarte Meyer auch von allen anderen Mitspielern in der Bildungspolitik, dass sie im Sinne der Kinder und Jugendlichen ihren Job machten. Die Debatte um G8 sei ein Musterbeispiel für ideologische Gefechte auf dem Rücken der Schüler.

In Krefeld geht die soziale Schere immer weiter auseinander

Meyer lobt die bildende Kultur in Krefeld genauso wie die Musikschule und die Volkshochschule, nimmt sowohl die Politik als auch die Elternhäuser in die Pflicht und mahnt an, dass gerade hier die soziale Schere auseinandergehe. Das Thema Kinderarmut sei vom Krefelder Bildungsanspruch nicht zu trennen.

„Denn mit leerem Magen wird ein Kind auch im schönsten neuen Schulgebäude nicht vernünftig lernen können. Deshalb würde es mich freuen, wenn wir in den nächsten Monaten eine Initiative entwickeln, wie wir die Kinderarmut in unserer Stadt wirksam und dauerhaft bekämpfen können – und zwar in einer gemeinsamen Anstrengung von Bürgerschaft und Verwaltung.“

Apropos Bürgerschaft: Soweit anwesend fühlt sie sich mitgenommen von Meyers Schwerpunkt. Sie findet sich wieder, auch im Lob an das in Krefeld so stark vertretene Ehrenamt. Meyer glaubt, dass Krefeld derzeit einen Perspektivwechsel erlebt: „Die Leute lästern und meckern zwar immer noch, aber ich meine, es ist weniger geworden.“

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