Der jüngste Dioxin-Skandal verhilft den Anbietern von Öko-Produkten zu einem Umsatzplus.

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Bei Denn’s, seit drei Jahren an der Uerdinger Straße, sorgt der Dioxin-Skandal für bessere Geschäfte. Archiv

Bei Denn’s, seit drei Jahren an der Uerdinger Straße, sorgt der Dioxin-Skandal für bessere Geschäfte. Archiv

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Bei Denn’s, seit drei Jahren an der Uerdinger Straße, sorgt der Dioxin-Skandal für bessere Geschäfte. Archiv

Krefeld. Die Lust aufs Frühstücksei ist vielen Verbrauchern gehörig vergangen. Schuld daran ist der jüngste Dioxin-Skandal, der sich inzwischen von der Geflügelfarm auf den Schweinestall ausgeweitet hat: Nicht nur das Ei wurde aus zahlreichen Speiseplänen verbannt, viele verzichten derzeit auch lieber auf Schnitzel, Salami und Co. Sie machen einen großen Bogen um die Fleischtheken und Eierkartons von Discountern und Supermärkten.

Doch wo Schatten ist, muss es auch Licht geben. Und so profitieren vor allem Hof- und Bioläden von der Verunsicherung der Kunden. „Wir haben momentan sehr viel Kundschaft“, sagt Elena Seeweke, Filialleiterin von Denn’s Biomarkt an der Uerdinger Straße. „Die Nachfrage nach Eiern und Fleisch ist enorm gestiegen. Zu den Stammkunden haben wir auch viele neue hinzugewonnen.“ Zwischenzeitlich habe es Lieferengpässe gegeben, die Situation habe sich aber normalisiert.

„Bei jedem Skandal bleiben ein paar Kunden hängen.“

Katja Leendertz, Hofladen Heilmannshof

Katja Leendertz vom Hofladen Heilmannshof hatte nach eigenen Angaben bisher großes Glück und immer genug Eier und Fleisch vorrätig. Auch zu ihr kommen jetzt mehr Kunden, viele stellen Fragen zur Unbedenklichkeit der Produkte. „Bei uns liegen Schreiben unseres Lieferanten aus“, sagt Leendertz. „Darin informieren wir die Kunden über Haltung und Futter der Tiere.“ In den vergangenen Jahren hat sich bei ihr eine Erkenntnis verfestigt: „Bei jedem Lebensmittelskandal bleiben ein paar Kunden hängen. Je länger der Skandal dauert, umso mehr sind es.“

Von zehn bis 15 Prozent mehr Umsatz bei den Eiern geht Michaela Boekels vom Benrader Obsthof aus. Auch sie hat Unbedenklichkeitserklärungen der Lieferanten zur Hand. „Das ist sehr wichtig, um Vertrauen zu schaffen“, sagt sie.

Die meisten Bio- und Hofläden haben auf den Dioxin-Skandal reagiert. Sie haben Zertifikate und Unbedenklichkeitserklärungen von Lieferanten und Futtermittelbetrieben zur Hand, die die einwandfreie Qualität von Eiern und Fleisch garantieren.

Die unabhängige Organisation Foodwatch setzt sich für mehr Transparenz in der Lebensmittelindustrie und für Verbraucherschutz ein. Auf ihren Internetseiten gibt es viele nützliche Informationen und Hinweise darauf, was man als Endkunde tun kann.

Jochen Melles, Besitzer des Naturkostladens Vierspitz, hat zwar auch eine etwas stärkere Nachfrage festgestellt. „Aber die Leute sind verhalten“, sagt er. „Ich hätte gedacht, dass es mehr sind.“ Er hofft, dass der Dioxin-Skandal noch eine Weile anhält. Allerdings nicht aus Eigennutz: „Vielleicht werden die Verbraucher dann irgendwann mal wach.“ Für ihn ist es ein Unding, dass die Discounter den Preis für Lebensmittel bestimmen. „Die Menschen würden genauso viel kaufen, wenn ein Ei fünf Cent teurer wäre“, sagt er. „Aber den Tieren würde es helfen.“

Ähnlich sieht das Rainer Meyer, Mitarbeiter bei Karl’s Naturkost am Karlsplatz. „Wir bemerken zwar eine leichte Steigerung“, sagt er. „Aber der Kunde bewegt sich insgesamt wenig, viele denken nur bis zum nächsten Tag.“ Eine große Ausnahme sei der BSE-Skandal vor genau zehn Jahren gewesen: „Damals war die Nachfrage nach Biofleisch enorm. Das ist erst nach einem halben Jahr abgeebbt.“

Allerdings ist anscheinend gar nicht zwingend „Bio“ gefragt. Vielen reicht vielleicht schon der direkte Kontakt zum Erzeuger: Stephanie Hannemann von der Putenfarm Ritte verkauft derzeit jedenfalls auch mehr Eier, obwohl sie aus konventioneller Haltung stammen. „Aber die Leute fragen laufend nach, ob auch wirklich alles sicher ist“, erzählt sie. Sie kann ihre Kunden mit entsprechenden Zertifikaten überzeugen – auch ohne Öko-Siegel.

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