Das Medi-Mobil ist an jedem Dienstagabend unterwegs, um Obdachlose zu behandeln und ihnen weitere Hilfe anzubieten.

Gesundheit
Ärztin Martina Kruß im Gespräch mit einem Obdachlosen, der ärztlich behandelt werden muss.

Ärztin Martina Kruß im Gespräch mit einem Obdachlosen, der ärztlich behandelt werden muss.

Das Medi-Mobil steht an der Lutherstraße vor der Notschlafstelle der Diakonie. Dort warten Obdachlose darauf, behandelt zu werden.

Andreas Bischof, Bild 1 von 2

Ärztin Martina Kruß im Gespräch mit einem Obdachlosen, der ärztlich behandelt werden muss.

Krefeld. Jeden Dienstagabend fährt das Medi-Mobil zu obdachlosen oder drogenabhängigen Menschen und bietet ihnen unkomplizierte ärztliche Versorgung und Beratung an. „Wir kümmern uns um Menschen, die aufgrund sozialer Probleme aus dem gesellschaftlichen Raster gefallen sind“, erklärt die Ärztin Martina Kruß vor der Abfahrt an der Notschlafstelle Melanchthonstraße.

Bei der ehrenamtlichen Tätigkeit geht es der Amtsärztin nicht nur darum, Medikamente auszugeben oder Wunden zu behandeln: „Die Gespräche sind ganz wichtig, um Vertrauen aufzubauen und die Personen ein wenig auf die richtige Schiene zu leiten.“

„Ich möchte Menschen helfen, die keine Lobby haben.“

Mehmet Noyan

Neben einem Arzt besteht das Medi-Mobil-Team aus einem Rettungsassistenten, einem Streetworker – und Mehmet Noyan. Er unterstützt die rollende Arztpraxis schon von Beginn an und kennt viele Leute auf der Straße. Während der Tour hat er für jeden ein freundliches Lächeln und wirkt wie die gute Seele des Unternehmens. „Ich möchte Menschen helfen, die keine Lobby haben“, erklärt er sein Engagement.

Nachdem der für die medizinische Erstversorgung umgebaute Transporter mit allerlei Material beladen wurde, geht es als erstes zur nahe gelegenen Obdachlosen-Schlafstelle der Diakonie. Dort wird gerade zu Abend gegessen.

Der Streetworker gibt auch Tipps zur Wohnungssuche

Das Medi-Mobil ist dienstags von 18 bis 20 Uhr unterwegs. Der Dienst wurde 2001 ins Leben gerufen und ist eine gemeinsame Aktion von Caritas und Diakonie. Sechs Ärzte engagieren sich derzeit bei der rollenden Praxis. Die Fahrer (Rettungsassistenten) werden vom Malteser Hilfsdienst und dem Deutschen Roten Kreuz gestellt.

Weitere Mediziner, die sich an den ehrenamtlichen Touren des Medi-Mobils beteiligen wollen, werden dringend gesucht. Kontakt Caritas Krefeld, Telefon 63 9 50

Eine Frau geht mit einem gelben Zettel und einer Packung Tabletten geradewegs auf Martina Kruß zu. Die Frau spricht kein Deutsch und ist offenbar taub. Nach einem Gespräch mit Händen und Füßen wird klar, dass die Frau keine Ahnung hat, wie sie ihre Tabletten einnehmen soll.

Ein junger Mann hat in der Zwischenzeit Streetworker Thorsten Henkel angesprochen. Er sei erst kürzlich nach Krefeld gekommen und habe keinen Job, keine Wohnung und sich auch noch nicht umgemeldet, erzählt er. Der Streetworker gibt Tipps, was als nächstes zu tun ist und drückt ihm einen Zettel mit Basisinformationen in die Hand. „Ich habe ihm auch gesagt, dass er den Krankenkassenbeitrag für die letzten zwei Monate noch selber begleichen muss.“

Nach einem kurzen Stopp am Südausgang des Hauptbahnhofs fährt das Team zur letzten Station des Abends. Zwei Personen wollen sich am Theaterplatz behandeln lassen.

Der erste Patient lebt seit zehn Jahren auf der Straße. Thorsten Henkel kennt ihn bereits, denn er versucht derzeit, eine Wohnung für den Obdachlosen zu organisieren. Auf dem freien Wohnungsmarkt ist das aber nicht gerade einfach. „Da muss man einen verständnisvollen Vermieter finden“, sagt er.

Am heutigen Abend kann die Ärztin bei dem Wohnungssuchenden jedoch keine gesundheitlichen Probleme feststellen: „Den Leuten ist es manchmal auch viel wichtiger, mit uns zu sprechen, als ein Pflaster zu bekommen.“

Der zweite Patient am Theaterplatz hat eine offene Wunde. Martina Kruß hilft mit einem Verband und einer Heilsalbe. Außerdem rät sie ihm, in den nächsten Tagen noch mal einen Arzt aufzusuchen.

Nach der Erstdiagnose zu einem niedergelassenen Arzt

„Ich finde es super, dass die Leute nur des Helfens willen kommen und einen auch beraten“, sagt der Mann. Er gehe bei Problemen lieber zum Medi-Mobil, da die Behandlung „anonymer und freundlicher“ als bei einem normalen Arzt ablaufe.

„Vielen gibt die Erstdiagnose beim Medi-Mobil auch die nötige Bestätigung, um sich bei einem niedergelassenen Arzt weiter behandeln zu lassen“, erklärt Streetworker Thorsten Henkel.

Um 20.30 Uhr ist die Tour zu Ende. Doch die Menschen auf der Straße wissen, dass sie auch nächsten Dienstag wieder auf die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter vom Medi-Mobil zählen können.

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