Immer mehr Betriebe setzen auf Angebote für ihre Mitarbeiter – auch die Stadt.

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Die städtische Gesundheitsbeauftragte Christiane Bienert in einem der Ruheräume.

Die städtische Gesundheitsbeauftragte Christiane Bienert in einem der Ruheräume.

Dirk Jochmann

Die städtische Gesundheitsbeauftragte Christiane Bienert in einem der Ruheräume.

Krefeld. Falsche Ernährung und zu wenig Bewegung können krank machen. Diese Erkenntnis setzt sich in Unternehmen immer mehr durch. Sie reagieren verstärkt mit Aufklärung und speziellen Angeboten für ihre Mitarbeiter. „Die Anfragen zur Gesundheitsförderung im Betrieb sind deutlich intensiver und spezieller geworden“, sagt Gregor Werkle von der IHK Mittlerer Niederrhein.

Betriebliches Gesundheitsmanagement werde in Zeiten des demografischen Wandels immer wichtiger. „Schließlich wird aufgrund der älter werdenden Belegschaften die Herausforderung, die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten, immer größer“, sagt Werkle. Dass sich Firmen engagieren, senkt den Krankenstand und dient der Mitarbeitermotivation, aber nicht nur das: „Arbeitgeber können sich im Wettbewerb um Fachkräfte von Konkurrenten abgrenzen“, sagt Werkle.

Krankschreibungen wegen Rückenschmerzen rückläufig

Das war auch ein Grund, warum die Stadtverwaltung seit Anfang 2012 betriebliches Gesundheitsmanagement fördert. „Damals haben wir den ersten Multifunktionsraum im Stadthaus eingerichtet“, sagt Christiane Bienert, Beauftragte für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Stadtverwaltung. Die Räume selbst sind einfach ausgestattet: Regale mit Infomaterial, Gymnastikmatten sowie eine Massage-Liege, die für Erste-Hilfe oder von Schwangeren genutzt werden kann. Es gibt auch eine Sitzgruppe. „Denn wir nutzen die Räume auch für Besprechungen oder als Warteräume für Vorstellungsgespräche“, erläutert Bienert.

Mittlerweile können sich Mitarbeiter in der Mittagspause an jedem städtischen Standort zurückziehen. In Zusammenarbeit mit der VHS bietet die Stadt ihnen mittags Kurse wie progressive Muskelentspannung oder Rückengymnastik. „Sie werden gut angenommen“, sagt Bienert. Die 15 Einheiten je Semester muss jeder selbst bezahlen. Auch Rückenmassagen können gebucht und müssen privat bezahlt werden.

Das Gesundheitsmanagement ist in den Betrieben unterschiedlich organisiert. „Es gibt keine Blaupause, die sich übertragen lässt“, sagt Werkle von der IHK. Manche Firmen kooperieren mit Sportstudios, andere nutzen Kurse der VHS oder die Angebote der Krankenkassen.

Die Krankmacher im Büro sind einerseits Fehlhaltungen, die zu Rückenerkrankungen führen, andererseits mangelnde Bewegung. Dazu kommen meist falsche Ernährungsgewohnheiten, die zusammen mit zu wenig Bewegung zu Übergewicht führen. Erhöhter Blutdruck, Herzerkrankungen, Diabetes und Schlaganfälle können die Folgen sein.

Am Mittwoch, 22. Oktober, von 10.30 bis 17 Uhr veranstaltet die IHK einen Aktionstag zum Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ bei Salvea, Westparkstraße 107-109. www.ihk-krefeld.de

„Im Raum Krefeld haben wir bei vier Arbeitgebern Gesundheitstage durchgeführt, ein erster Schritt, um betriebliches Gesundheitsmanagement ins Bewusstsein zu rufen“, sagt Rainer Lange, Pressesprecher der DAK.

Ob sich die Aktivitäten der Unternehmen auszahlen? Laut Lange kann diese Frage nicht eindeutig beantwortet werden. Die Menge und die Dauer der Krankmeldungen unterliege Veränderungen. Eine Analyse der Daten von 2000 bis 2012 zeige aber, dass Arbeitsunfähigkeiten wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems um 12,4 Prozent zurückgingen. Allerdings nahmen die Krankschreibungen bei psychischen Erkrankungen um 93,5 Prozent zu.

» Finden Sie es richtig, dass sich Arbeitgeber um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern?

www.wz-krefeld.de

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