Den Stadtwerken war die Restaurierung zu teuer – da griff die Stiftung ein.

Luther-Spiegel
Restauriert und spiegelblank hängt das Luther-Werk zurzeit am Frankfurter Städel-Museum.

Restauriert und spiegelblank hängt das Luther-Werk zurzeit am Frankfurter Städel-Museum.

N. Miguletz

Restauriert und spiegelblank hängt das Luther-Werk zurzeit am Frankfurter Städel-Museum.

Krefeld. Ein Kunstwerk von Rang sucht einen neuen Standort: Adolf Luthers Spiegel-Installation, die lange am SWK-Gebäude hing, ist ab nächstem Frühjahr heimatlos. Aktuell schmückt sie, wie bereits berichtet, eine Außenwand des Frankfurter Städel-Museums – als Teil der Ausstellung „Adolf Luther. Architektur als Licht und Spiegelung“.

In den vergangenen Jahren hat das Kunstwerk eine bewegte Geschichte hinter sich. Ursprünglich wollten die Stadtwerke die 50 Spiegel, die mit den Jahren stark beschädigt worden waren, abnehmen und restaurieren lassen. Zu Luthers 100. Geburtstag im Jahr 2012 sollte das Objekt in neuem Glanz erstrahlen.

Doch die Pläne zu Ehren des Künstlers scheiterten am Geld. Wie SWK-Sprecher Dirk Höstermann auf Anfrage bestätigt, sollte die Restaurierung inklusive Montage 70 000 Euro kosten. Das war den SWK-Oberen dann doch zu viel – obwohl sich mehrere Politiker aus dem Aufsichtsrat für die Sache stark gemacht hatten.

SWK verschenkten das Objekt im Wert von 500 000 Euro

So blieb es zunächst bei der Demontage, die im Jahr 2010 erfolgte. Die Spiegel wurden eingelagert. Schließlich entschlossen sich die SWK, das Objekt zu verschenken, und zwar an die in Krefeld ansässige Adolf-Luther-Stiftung.

„Das Werk befand sich in bemitleidenswertem Zustand“, sagt deren Vorsitzende Magdalena Broska. Auf eigene Kosten und teilweise durch eigene Mitarbeiter ließ Broska eine Restaurierung vornehmen. 60 000 Euro wurden investiert und der Aufwand hat sich gelohnt. Im makellosen Zustand könnte das Objekt nach ihrer Schätzung auf dem internationalen Kunstmarkt 500 000 Euro einbringen. „Käufer in China oder Singapur sind bereit, das zu bezahlen.“

Das Kaiser-Wilhelm-Museum wäre der „ideale Platz“

Seit 6. Juni präsentiert das Städel-Museum die Ausstellung „Adolf Luther. Architektur als Licht und Spiegelung“. Zu sehen sind zentrale, raumgreifende Installationen Luthers aus den 70er und 80er Jahren. Die Arbeiten sind bis zu zehn Meter breit und sechs Meter hoch.

Laut Kurator Martin Engler passt die Installation hervorragend an die Museumswand: „Sie hängt hier sehr gut und wird viel diskutiert.“

Adolf Luther, geboren 1912 in Uerdingen, studierte zunächst Jura und arbeitete als Verwaltungsrichter. Diesen Beruf gab er 1957 auf, um sich ganz der Kunst zu widmen. Zusammen mit der Zero-Gruppe gehörte er zu jenen Künstlern, die sich in den 60er Jahren von traditionellen Bildformen lösten und neue Materialien und Techniken ausprobierten. Nach seinem Tod 1990 hinterließ er die Adolf-Luther-Stiftung, die sein Erbe verwaltet.

Doch die Stiftung, die das Erbe Luthers bewahren soll, hat anderes im Sinn, als das Werk auf einer Auktion zu verscherbeln. „Es muss doch in Krefeld einen wunderbaren Ort dafür geben“, sagt Broska. Der alte Standort am SWK-Gebäude sei „nicht ideal“ gewesen, wie sie zugibt. So seien die Schäden am Objekt auch durch die ungünstige Sonneneinstrahlung entstanden.

Auch die SWK möchten das Kunstwerk nicht zurück – zumal die Luther-Stiftung es nach der Restaurierung sicher nicht umsonst aus der Hand geben würde. „Wir sind immer gesprächsbereit“, versichert Dirk Höstermann. Doch ein Rückkauf des verschenkten Objekts sei „wirtschaftlich schwierig“.

Broska hat die Hoffnung dennoch nicht aufgegeben, das Werk Luthers demnächst wieder für jeden sichtbar in Krefeld aufzuhängen. „Ein Kulturinstitut wäre doch ideal dafür“, sagt sie. „Ich denke zum Beispiel an das sanierte Kaiser-Wilhelm-Museum.“

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