In der Schule für amtlich verordnete Sprach- und Integrationskurse gab es einige Schüler nur auf dem Papier. Doch für diese wurden Zuschüsse kassiert.

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Bei der Eröffnung des Sprachcafés des Vereins "Light of Africa" im Dezember 2008 (v.l.): Adrienne Kingombe mit ihren Kindern Madeleine und Benedikt, Oly Guesson (Lehrer), Elizabeth Horlemann (Vorstandsvorsitzende), Sandra Vogt (Gründungsmitglied Sprachcafé) und Viktoria Martin (Mitglied Vorstand). (Archiv

Bei der Eröffnung des Sprachcafés des Vereins "Light of Africa" im Dezember 2008 (v.l.): Adrienne Kingombe mit ihren Kindern Madeleine und Benedikt, Oly Guesson (Lehrer), Elizabeth Horlemann (Vorstandsvorsitzende), Sandra Vogt (Gründungsmitglied Sprachcafé) und Viktoria Martin (Mitglied Vorstand). (Archiv

Dirk Jochmann

Bei der Eröffnung des Sprachcafés des Vereins "Light of Africa" im Dezember 2008 (v.l.): Adrienne Kingombe mit ihren Kindern Madeleine und Benedikt, Oly Guesson (Lehrer), Elizabeth Horlemann (Vorstandsvorsitzende), Sandra Vogt (Gründungsmitglied Sprachcafé) und Viktoria Martin (Mitglied Vorstand). (Archiv

Krefeld. Einen regelrechten Boom hatten die von der Bundesregierung angeordneten Sprach- und Integrationskurse für Ausländer ausgelöst. Auch der 2004 in Krefeld gegründete gemeinnützige Verein "Light of Africa" wollte ab November 2007 daran partizipieren, schließlich winkten beträchtliche Mittel des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Steuergelder. Doch jetzt droht das Licht zu erlöschen: Nach Unregelmäßigkeiten hat sich der Verein beim BAMF angezeigt. Außerdem blieb wegen Überschuldung nur der Weg zum Amtsgericht - erster Schritt auf dem Weg zum Insolvenzverfahren.

Am Samstag nun hat die längst überfällige Jahreshauptversammlung an der Leyentalstraße stattgefunden. Die Vorsitzende Elizabeth Horlemann lässt die Presse nicht besonders erfreut herein, aber Jahreshauptversammlungen von gemeinnützigen Vereinen sind nun mal öffentlich. Sie wolle das Amt schmeißen, denn das eigentliche Ziel von "Light of Africa", die anonyme Beratung und Betreuung von HIV-positiven und bereits an Aids erkrankten Afrikanern, sei in den Hintergrund gerückt, leider.

Die Finanzen im laufenden Jahr verheißen nichts Gutes

Die Schule, die so rasant wuchs, dass sie von der Leyentalstraße 55 zur Königstraße umgezogen war, hat 2009 stattliche 286000 Euro erwirtschaftet. Der stellvertretende Vorsitzende Gerald Wachuga trägt vor, davon seien 265000Euro ausgegeben worden. Die "ideellen Tätigkeiten" des Vereins hätten knapp 56000 Euro gekostet, aber nur 39000 Euro eingebracht. Dass unterm Strich ein kleines Plus von 2750Euro bleibt, macht die elf erschienenen (von angeblich 36) Mitgliedern auch nicht glücklich. Die Zahlen verheißen nichts Gutes. Die Schule, an der Anfang des Jahres noch 120Schüler gemeldet waren, ist geschlossen. Dass sie wieder öffnet, ist unwahrscheinlich. Ein privates Darlehen des Vereins an seine Vorsitzende über 2500 Euro wirft weitere Fragen auf.

Dann lässt Susanne von Thiel, seit April Buchhalterin, Personalchefin und Managerin der Integrationsschule, die Katze aus dem Sack: "Extrem viele Teilnehmer der Kurse existieren nur auf dem Papier. Deshalb haben wir Selbstanzeige beim Bundesamt gestellt." Viele Anträge seien nicht bearbeitet worden. So sei zum Beispiel nicht geprüft worden, ob Ehepartner der Schüler Immobilien besitzen oder "4000 Euro im Monat" verdienen. Allein mit den geänderten Zahlungsmodalitäten des BAMF, wegen der Kurs-Träger schon mal sechs Wochen auf die Bezahlung warten müssen, lässt sich die Finanzmisere von "Light of Africa" nicht erklären. Es ist eher so, dass der Verein Geld kassierte für Schüler, die längst abgesprungen waren. Verschwunden sind plötzlich auch die Mitgliederlisten in der Geschäftsstelle.

Die Kassenprüfer fehlen bei der Versammlung des Vereins

Kassenprüfer sind auf der Jahreshauptversammlung nicht zugegen. Die noch verbliebene (aber nicht erschienene) Prüferin soll nun mit einem weiteren Vereinsmitglied versuchen, Licht ins Dunkel um die Finanzen von "Light of Africa" zu bringen. Der Vorstand wurde auf Empfehlung von Versammlungsmoderator Klaus Giesing nicht entlastet.

"Gute Reise" wünscht der wie andere nach mehrjähriger Mitgliedschaft aus dem Verein ausgeschlossene Ex-Buchhalter Thomas Dischinger der Vorsitzenden, als sie sich mit ihrem Mann vorzeitig aus der Versammlung verabschiedet. Sie müsse die Fähre nach England erreichen, heißt es.

Bereits am Dienstag hatte der beim Verein als Lehrer beschäftigte Oly Gouessou seinen ersten Termin beim Arbeitsgericht. Doch der endete ergebnislos, weil der Arbeitgeber einen Vertreter entsandt hatte, der nicht befugt war, für den Verein zu sprechen. Gouessou ist einer von fünf Festangestellten und vier Honorarkräften, die seit Wochen kein Geld mehr bekommen haben. Dafür aber wurde dem Togoer fristlos gekündigt. Morgen muss Gouessou von seinem Wohnsitz Mönchengladbach wieder zum Krefelder Arbeitsgericht, Gütetermin, der zweite. Er hofft, dass die Vorsitzende da wieder aus England zurück ist. "Ich musste das Internet abmelden, habe kein Telefon mehr, und der Benzintank ist auch fast leer.

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