In der ostdeutschen Stadt füllt eine private Initiative das alte Stadtbad mit Leben und sammelt eifrig Geld für die Sanierung.

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Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Krefelder Gebäude ist nicht zu leugnen: Das Stadtbad in Leipzig.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Krefelder Gebäude ist nicht zu leugnen: Das Stadtbad in Leipzig.

Wolfgang Zeyen

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Krefelder Gebäude ist nicht zu leugnen: Das Stadtbad in Leipzig.

Leipzig. Man stelle sich ein rund 100 Jahre altes Stadtbad vor, das vor fünf Jahren wegen hoher Betriebskosten und baulicher Mängel geschlossen wurde. Das fällt einem Krefelder nicht schwer. Das Bild, dass in diesem Gebäude wieder regelmäßig Veranstaltungen, Feste und Seminare stattfinden, dürfte hingegen nicht so leicht abzurufen sein. Aber es geht - wie das Beispiel Leipzig zeigt.

Dort wurde das 1916 gebaute Stadtbad 2004 geschlossen. Seit 2006 kümmert dich die "Förderstiftung Leipziger Stadtbad" darum, dass das Haus im Gespräch bleibt, dass Geld für die Sanierung zusammenkommt und dass ein Konzept für einen wirtschaftlichen Betrieb entwickelt wird. Und das so erfolgreich, dass der Stadtrat jetzt 1,7 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II für die Dachsanierung locker gemacht hat.

Man will die Braut schmücken, damit ein Investor anbeißt

"Unser Ziel ist, dass das Bad zum 100. Geburtstag 2016 wieder geöffnet ist", sagt der ehrenamtliche Stiftungsdirektor Dirk Thärichen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Grob geschätzt sind rund 15 Millionen Euro nötig, um aus dem maroden Bad einen Wellness- und Gesundheitstempel zu machen. Dass es dafür in Leipzig einen Bedarf gibt, hat die Stiftung schon in einer Analyse ermitteln lassen. Thärichen: "Wir können nicht die gesamte Bausumme stemmen. Aber wir können Impulse geben und die Braut hübsch machen, um sie doch noch zum Altar zu bringen."

Das Stiftungskapital beträgt 300000 Euro und kommt von den kommunalen Wasserwerken. Und das ist Zufall, denn der Stiftungszweck hat sich aus einer Umfrage unter den Mitarbeitern ergeben. Obwohl die Wasserwerke mit dem Stadtbad nichts zu tun haben, sprach sich die Mehrheit der Beschäftigten dafür aus, die Wiederherstellung dieses Bauwerks zu unterstützen.

Zudem gibt es diverse Zustifter, es werden Spenden eingeworben, und man hat Einnahmen aus der Vermietung. "Zwei bis dreimal die Woche haben wir Veranstaltungen von der Kultur bis zum Firmenfest oder dem privaten Geburtstag", sagt Thärichen. Die Miete kostet 500 Euro pro Abend plus Nebenkosten. "Allerdings mussten wir zunächst investieren, haben 50 000 bis 70000 Euro in Fluchtwege, elektrische Leitungen und so weiter gesteckt. Viele sammeln über den Eintritt zusätzlich Spenden für uns."

Die Verwaltung war anfangs sehr skeptisch, so Thärichen, aber mittlerweile sind die Nutzungsrechte (unentgeldlich) schon einmal bis Ende 2009 verlängert worden. Deshalb wird im alten Stadtbad in Leipzig weiter gefeiert und gesammelt.

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