Die Hilfsaktion ist für Angehörige und Freunde des Verstorbenen ein Zeichen der Nächstenliebe.

Mehmet Patir, Vorsitzender der Haci Bayram Veli Moschee, und Thomas Guntermann (l.) freuen sich, den Eltern des ertrunkenen Afghanen den Abschied von ihrem Sohn zu ermöglichen.  (abi)
Mehmet Patir, Vorsitzender der Haci Bayram Veli Moschee, und Thomas Guntermann (l.) freuen sich, den Eltern des ertrunkenen Afghanen den Abschied von ihrem Sohn zu ermöglichen. (abi)

Mehmet Patir, Vorsitzender der Haci Bayram Veli Moschee, und Thomas Guntermann (l.) freuen sich, den Eltern des ertrunkenen Afghanen den Abschied von ihrem Sohn zu ermöglichen. (abi)

Mehmet Patir, Vorsitzender der Haci Bayram Veli Moschee, und Thomas Guntermann (l.) freuen sich, den Eltern des ertrunkenen Afghanen den Abschied von ihrem Sohn zu ermöglichen. (abi)

Krefeld. Anteilnahme, Verständigung und offene Arme. Vor dem Freitagsgebet in der Haci Bayram Veli Moschee an der Sprödentalstraße sind große Gesten zu sehen. Gulzar Koochi, ehrenamtlicher Dolmetscher der Mediothek, ist vor Ort und übersetzt Worte voller Dankbarkeit. „Wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell geht. Danke an alle Organisationen, die geholfen haben. Es ist ein Zeichen, dass Menschen verschiedenen Glaubens helfen. Ein so tolles Gefühl, das kann man gar nicht beschreiben“, sagen die Freunde und Bettnachbarn des 18-jährigen Mannes aus Afghanistan, der im Rhein von der Strömung mitgerissen wurde und starb. Diese Worte gelten auch Thomas Guntermann, dem Flüchtlingsseelsorger, der durch sein Engagement mit dafür gesorgt hat, dass der Leichnam am Wochenende über Istanbul nach Afghanistan geflogen werden kann.

Eltern warten am Flughafen auf ihren ertrunkenen Sohn

„Aufgrund der Initiative von Privatpersonen, die in Vorleistung gegangen sind, haben wir die Mittel zusammen, um den Leichnam nach Kabul zu überführen“, sagt Guntermann. „Trotzdem ist es wichtig, dass weiter gespendet wird, weil die Kosten nicht gedeckt sind.“ Wenn weiterhin viele Krefelder spenden würden, sei das auch ein Zeichen gegen „Dumpfbacken“, die es natürlich auch gebe.

Guntermann ist aber jetzt schon sichtlich erleichtert, dass viele an einem Strang gezogen haben, evangelische, katholische und muslimische Vereine, der Flüchtlingsrat und viele Ehrenamtler. Vor allem, um mit der Überführung den Angehörigen in der Heimat des verstorbenen Flüchtlings zu helfen. Die Eltern des Verstorbenen warten seit knapp einer Woche am Flughafen in Kabul.

Die Mutter habe zwischenzeitlich in ein Krankenhaus gebracht werden müssen, weil sie die tragischen Geschehnisse nicht verarbeiten könne, berichtet Thomas Guntermann. „Die Überführung der Leiche ist aufgrund der Vorstellung, dass wir mit unserem Körper auferstehen, wichtig. Das eint Moslems, Juden und Christen“, sagt der Seelsorger. Trauer und Verarbeitung könnten erst beginnen, wenn der Leichnam bei den Eltern sei.

Freunde nehmen auf Einladung der Gemeinde am Freitagsgebet teil

„Es ist ein Muss für uns Muslime, vor Ort zu helfen, damit der Leichnam beerdigt werden kann“, sagt auch Mesut Akdeniz von der Union der Türkischen und Islamischen Vereine in Krefeld, einer der ersten Ansprechpartner Guntermanns, als dieser Unterstützer suchte. Am Freitag sei der Leichnam im muslimischen Bestattungsinstitut in Düsseldorf gesäubert worden, bevor in den nächsten Tagen mit dem Flugzeug über Istanbul nach Kabul gebracht werde.

Unterstützung Menschen, die die Aktion von Thomas Guntermann unterstützen wollen, können auf folgendes Konto spenden: Lions-Hilfs-Fonds Krefeld-Gelduba e.V., IBAN: DE87 3205 0000 0000 0695 83, BIC: SPKRDE33XXX (Sparkasse Krefeld), Verwendungszweck: Hakim

Spenden In allen Moscheen in Krefeld wurden im Rahmen des Freitagsgebets Spenden für die Überführung gesammelt.

Auch Dauwd Musakhai ist zur Haci Bayram Veli Moschee gekommen, um auf Einladung der Gemeinde am Freitagsgebet teilzunehmen. Er war dabei, als der 18-Jährige in den Rhein gerissen wurde. Über Monate sei er mit ihm unterwegs gewesen, um von Afghanistan nach Deutschland zu flüchten, und schließlich als Bettnachbarn in der Glockenspitzhalle zu landen. „Er hat sich immer bemüht und wollte unbedingt die deutsche Sprache lernen“, sagt der Freund des Verstorbenen. Und: „In Afghanistan gibt es auch große Flüsse, aber sie sind nicht so gefährlich.“ Seelsorger Thomas Guntermann kümmert sich um die Freunde des Verstorbenen. Der tragische Tod war ein Schock. Mohamed Om ram Rasculi bringt seine Dankbarkeit in der Sprache aus, die er erst seit vier Monaten lernt.

„Es ist sehr wichtig für die Familie. Er ist jetzt im Jenseits, aber sie müssen es sehen. Wir alle danken Herrn Guntermann.“

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