Die Nachfrage von Asiaten nach der Babynahrung ist wieder extrem hoch. Anbieter haben inzwischen reagiert: mit erhöhter Produktion und Reservierungslisten.

Nachgehakt
Beim Milchpulver gibt es wieder Engpässe.

Beim Milchpulver gibt es wieder Engpässe.

Armin Weigel/dpa

Beim Milchpulver gibt es wieder Engpässe.

Krefeld. Für die junge Mutter Nina M. gestaltet sich der Einkauf anstrengend: Das Babymilchpulver, das sie zum Füttern ihrer drei Monate alten Tochter benötigt, ist knapp. Auf der Suche nach ihrer bevorzugten Marke Milupa klappert sie regelmäßig mehrere Drogerien ab. „Ich bin in Sorge, dass ich meine Tochter nicht sattbekommen könnte“, sagt die 33-Jährige.

„Die Gesamtnachfrage nach Milchnahrung kann nach wie vor nicht voll gedeckt werden.“ - Sebastian Bayer, dm-Geschäftsleitung

Wie ihr ergeht es zurzeit auch anderen Eltern, die im Drogeriemarkt das Pulver als Ersatz für Muttermilch kaufen wollen. Aptamil ist vielen zufolge dabei das bevorzugte Produkt. „Wir verzeichnen auf dem Markt eine extrem hohe Nachfrage nach verschiedenen Säuglingsnahrungen, die die Hersteller nicht ausreichend bedienen können“, bestätigt Sebastian Bayer, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung von dm. „Auch wenn zwischenzeitlich für einige Marken eine Entspannung stattgefunden hat, kann die Gesamtnachfrage nach Milchnahrungen nach wie vor nicht voll gedeckt werden.“

Grund für die leeren Regale sind Hamsterkäufe von Chinesen, die das Produkt in großen Mengen in ihre Heimat schicken. Dortigen Produkten vertrauen die Menschen nach einem Lebensmittelskandal nicht mehr: 2008 war ans Licht gekommen, dass in China das Milchpulver mit Melamin gestreckt wurde, eine Substanz, die bei der Herstellung von Klebstoffen zum Einsatz kommt.

Die Folge: Vor zwei Jahren überrollte eine Kaufwelle die deutschen Hersteller von Kindermilchpulver. „Die Situation war extrem: Die Regale waren leer, Hersteller kamen mit der Nachlieferung nicht hinterher“, erinnert sich Stefan Stohl, Sprecher von Milupa. Damals seien wöchentlich etwa 3000 Anrufe von besorgten, aber auch verärgerten Eltern bei der Firma eingegangen.

Um der Nachfrage aller Kunden gerecht zu werden, reagierten Drogerien mit einer Limitierung der Abgabemengen. „In den Krefelder dm-Märkten gibt es aufgrund der generellen Knappheit von Milchpulverprodukten derzeit eine Mengenbegrenzung von drei Packungen pro Kunde“, sagt Anne Michalowski, die als Gebietsverantwortliche für die dm-Märkte in Krefeld zuständig ist.

Der Verkäufer eines Marktes in der Innenstadt sieht das Problem dadurch aber noch nicht gelöst: „Jeden Tag stehen chinesische Großfamilien bei uns vor der Tür. Sie kommen einzeln rein und halten sich an die Abgabemengen. So räumen sie nach und nach die Regale leer. Da können wir nichts machen.“ Seit einigen Wochen, so der Verkäufer, habe sich die Lage sogar noch verschärft.

Milupa-Sprecher Stefan Stohl hat eine Erklärung für die gerade zurzeit extrem große Nachfrage der Chinesen: Am 19. Februar feiern die Chinesen ihr Neujahrsfest. Zu diesem Anlass schicken die in Deutschland lebenden Asiaten ihren Verwandten Milchpulver in die Heimat. „Etwa drei Monate vor dem Fest und einen Monat danach merken wir die extreme Nachfrage, dann pendelt es sich wieder ein“, sagt Stohl. Im Vergleich zu der Situation vor zwei Jahren sieht er aber eine deutliche Verbesserung: Die Produktion von Milchpulver habe sich seit 2013 verdreifacht. Dieses Jahr werde zudem ein zweites Werk in Fulda in Betrieb genommen. Dann werden insgesamt jährlich rund 100 000 Tonnen Säuglingsnahrung produziert.

„Schon heute können wir jeder Mutter in Deutschland mit einer individuellen Lösung weiterhelfen“, sagt Stohl. In den Drogerien können sich Mütter beispielsweise nach Vorlage einer Geburtsurkunde des Kindes in einer Reservierungsliste eintragen. So würden bis zu drei oder vier Packungen pro Monat für die Kundin zur Seite gelegt.

Im Zweifel, so das Versprechen von Milupa, werde der Mutter das Wunschprodukt auch per Post nach Hause geschickt. „Dass sich die Lage insgesamt entschärft hat, sehen wir auch daran, dass nur noch bis zu 150 Anrufe pro Woche von besorgten Eltern eingehen“, sagt Sprecher Stohl.

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