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Das Krefelder Amts- und Landgericht

Das Krefelder Amts- und Landgericht

Strücken, Lothar (Archiv)

Das Krefelder Amts- und Landgericht

Krefeld. Das Erste, was die zweite große Strafkammer am Landgericht am Dienstag von dem 38-Jährigen zu hören bekommt, ist ein ausgefeilter Lebenslauf. Darin stellt sich der  Bremer ziemlich gut dar. Er wollte von zwei Firmen insgesamt 1,25 Millionen Euro erpressen und steht nun wegen versuchter räuberischer Erpressung von Gericht.

Seine drei Kinder und die Familie seien ihm stets das Wichtigste gewesen. In seinem Beruf als Kinderkrankenpfleger beschreibt er sich wenig bescheiden als die „erfahrenste“ und „qualifizierteste“ Kraft seines ehemaligen Arbeitgebers. Zugleich gibt der Angeklagte aber auch einen Einblick die Motive für seine  Tat und gibt alle Vorwürfe restlos zu.

Er präparierte Produkte mit Medikamenten aus der Psychiatrie

Angefangen hatte alles mit je einem Brief an eine Krefelder Firma für Tierbedarf und einen Bremer Lebensmittelvertrieb im Sommer 2010. Darin hatte er gedroht, Produkte zu vergiften. Von dem Krefelder Unternehmen forderte er 250.000 Euro, von dem Bremer eine Million. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte er beiden Firmen präparierte Produkte geschickt. In die hatte er ein Medikament aus der Psychiatrie injiziert, das in höherer Konzentration gesundheitsschädigend ist.

In Geschäften hatte er außerdem präparierte Produkte deponiert und die mit einem kleinen Totenkopf versehen. „Ich habe damals gehandelt wie in einem schlechten Film und die Konsequenzen einfach ausgeblendet“, liest er vor Gericht seine schriftlich vorbereitete Aussage vor.

Das Geld aus der Erpressung wollte er nicht mehr

Er habe kurz vor der Privatinsolvenz gestanden und rund 14.000 Euro Schulden gehabt. Eine lukrative Arbeitsstelle sei auch nicht in Sicht gewesen. Das Geld aus der Erpressung bekam er trotzdem nicht. Bei einer fingierten Geldübergabe der Polizei schickt er die Beamten per SMS von Hannover nach Bremen und kreuz und quer durch die Hansestadt.

Als sie das Geld schließlich an einem Ort ablegen sollen, holte er es nicht ab. Weil er es doch nicht mehr haben wollte, wie er vor Gericht sagt. „Ich wollte mir nur meine eigene Handlungsfähigkeit beweisen.“ Da bohrt der Vorsitzende Richter nach und fragt, ob er denn keine Angst vor Entdeckung gehabt hätte. Der Angeklagte beharrt auf seiner Aussage, dass der Entschluss ganz aus seinem Inneren kam.

Beide Firmen hatten die Polizei eingeschaltet. Vor Gericht sagt auch der zuständige Beamte aus Krefeld aus, der die Geldübergabe fingiert hat. Durch die gesendeten SMS konnte der Anruf  trotz anderer Sim-Karte zurückverfolgt werden und der Angeklagte als mutmaßlicher Täter identifiziert werden. Nur drei Tage nach der geplatzten Geldübergabe wurde der Mann nach einem Kurzurlaub mit seinen Kindern in Berlin noch am Bremer Flughafen festgenommen.

Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden. Dem Mann droht eine mehrjährige Haftstrafe.