Der Angeklagte spielte einen Film nach, drohte, schlug und demütigte sein Opfer.

Krefeld. Das Gewaltvideo "Chicco", Alkohol und Drogen spielen eine Hauptrolle in der Gewaltorgie auf der Prinz-Ferdinand-Straße, die den 23 Jahre alten Maximilian M. (alle Namen von der Redaktion geändert) für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis bringt.

Für den Vorsitzenden Richter der 2. großen Strafkammer am Landgericht wurde dabei "eine fiktive Filmsituation nachgespielt". Der Angeklagte habe eine "besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung" begangen. Die Höchststrafe dafür liegt bei 15 Jahren. Zu der verhängten Strafe kommt voraussichtlich ein weiteres Jahr aus einem noch laufenden, ähnlichen Verfahren dazu.

Sein Opfer musste niederknien und sagen: "Ich bin schwul"

Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Maximilian M. hatte im vergangenen Oktober den Gelegenheitsdealer u Frank L. (22) überfallen. Der angebliche Grund: schlechtes "Speed" (die Droge Amphetamin), das Frank L. dem Angeklagten verkauft habe. M. habe sein Opfer gedemütigt, beraubt und verletzt.

Wie im Video "Chicco" musste sich L. niederknien und sagen "Ich bin schwul". Mit einem Messer in der Hand habe er seinem Opfer gedroht. "Zinkern wie Dir schneidet man eigentlich einen Finger ab. Dir schneide ich das Ohr ab." Nach heftigen Faustschlägen ins Gesicht, habe ihm Frank L. schließlich fünf Euro, eine Sonnenbrille und das Handy überlassen. Seinen Fernseher trug er dann zur Wohnung des Angeklagten auf derselben Straße.

Anschließend habe er 170 Euro vom Sparkassen-Automaten an der St. Anton-Straße abgehoben und M. ausgehändigt. Das war alles, was er für diesen Monat zur Verfügung hatte. Schließlich habe M. gedroht: "Wenn Du den Bullen was sagst, bringe ich Dich um."

Ein Gutachten hatte dem Angeklagten "eine situativ gestörte Impulskontrolle" bescheinigt, also den Hang zur Gewalt. Dringend riet der Richter dem Angeklagten noch vor dem Urteil. "Nutzen Sie die Haft als Gelegenheit, etwas an sich zu tun. Machen Sie die Ideologie des Gewaltfilms, niemand und nichts zu respektieren, nicht zu Ihrem Lebensmotto".

In seinem Schlusswort meinte Maximilian M.: "Ich weiß, ich habe Scheiße gebaut." Anwalt Jörg Hintze kündigte Revision beim Bundesgerichtshof an.  

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