Die Stadt hat eingeräumt, dass der Körper einer Frau vom Hauptfriedhof verschwunden ist. Wohin, bleibt unklar.

Krefeld. Wo sich die sterblichen Überreste ihrer Tante befinden, wird Karin Lemke (Name von der Redaktion geändert) wohl nie erfahren. Und doch hat sie den Sitzungssaal im Oberverwaltungsgericht Münster am Montag mit Genugtuung verlassen. Denn nach mehr als neun Jahren Auseinandersetzung mit der Stadt haben ihr Behördenvertreter jetzt das bestätigt, was sie schon seit 2001 vermutet: Dass der Körper ihrer 1989 beerdigten Tante vom Hauptfriedhof verschwunden ist. Der Entschuldigung im Gerichtssaal wird einer weitere von Oberbürgermeister Gregor Kathstede persönlich folgen. Darauf hatte die Klägerin großen Wert gelegt.

Kathstede hatte den 19. Senat beim Oberverwaltungsgericht zuvor brüskiert, weil er trotz richterlicher Anordnung dem Prozesstermin unentschuldigt ferngeblieben war. Der Vorsitzende Richter Bernd Kaufmann fand dafür deutliche Worte: Oberbürgermeister achteten darauf, mit repräsentativen Terminen in der Presse abgebildet zu werden, "aber es wird keine persönliche Verantwortung übernommen, wenn möglicherweise sterbliche Überreste auf den Müll geworfen worden sind". Die Stadt hatte dem Gericht im Vorfeld mitgeteilt, Kathstede könne nichts zur Sachaufklärung beitragen, da er seinerzeit nicht im Amt war. Die Richter hielten sein Erscheinen trotzdem für erforderlich: "Das ist angemessen."

Einigung auf einen Vergleich: OB entschuldigt sich

Die neun aus Krefeld geladenen Zeugen - heutige oder frühere Beschäftigte der Verwaltung - mussten letztlich nicht mehr in dem bizarren Fall aussagen, weil es zu einem Vergleich mit der Klägerin kam: Die Stadt räumt ein, nicht zu wissen, wohin die sterblichen Überreste der Tante von Beate Lemke kamen. Der Entschuldigung bei die Klägerin durch Kathstede folgt eine Zahlung von 10000 Euro ans Hilfswerk Misereor.

Zeuge will Sarg und Leiche in Baggerschaufel gesehen haben

In einer Darstellung des Rechtsstreits hatte der 19. Senat zunächst die Vorgeschichte erläutert. Dabei wurde deutlich, dass Beate Lemke kurz vor der Beerdigung ihrer Mutter im Januar 2001 gleich bemerkte, dass das Doppelgrab auf der falschen Seite geöffnet worden war. Der von ihr angesprochene Bestatter schaute in die Unterlagen der Stadt, wo diese Grabstelle als die richtige ausgewiesen wurde. Doch der Eintrag war falsch. Leichenteile ihrer Tante, die Beate Lemke im Aushub entdeckt hatte, sind vermutlich entsorgt worden.

Schon wenige Tage nach der Beisetzung ließ die Klägerin die vier seit 1951 in dem Doppelgrab bestatteten Familienangehörigen exhumieren und sie auf dem katholischen Friedhof in St. Tönis beerdigen. Doch auch dabei sind aller Wahrscheinlichkeit nach allenfalls wenige Körperteile der Tante beigesetzt worden. Laut dem Anwalt der Klägerin, Dr. Markus Johlen, besteht in der Tat der Verdacht, dass andere auf dem Müll landeten. "Ein Zeuge will Sarg und Leiche in einer Baggerschaufel gesehen haben", so der Vorsitzende Richter.

Laut Johlen ging es seiner Mandantin darum, dass die Stadt Verantwortung übernimmt und sich entschuldigt.

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