Anwohner der A 57 fürchten den Ausbau. Der Landesbetrieb spricht sich gegen die Tunnel-Lösung aus – wegen der Kosten.

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Vor allem der Lärm der vorbei fahrenden Lkw ist für die Anwohner der A 57 bereits jetzt unerträglich.

Vor allem der Lärm der vorbei fahrenden Lkw ist für die Anwohner der A 57 bereits jetzt unerträglich.

Lothar Strücken

Vor allem der Lärm der vorbei fahrenden Lkw ist für die Anwohner der A 57 bereits jetzt unerträglich.

Krefeld. Was wird auf sie zukommen, wenn die A 57 sechsspurig ausgebaut wird? Das fragen sich bang die Anlieger der Autobahntrasse. Heute jedenfalls ist der Lärm dort bislang unerträglich, vor allem, wenn die Lastwagen an Krefeld vorbeibrettern. Informationen über den Stand der Planungen fließen jedoch spärlich, zum Ärger der Bürger.

Wann gibt’s Entscheidungen?

Der mit der Planung beauftragte Landesbetrieb Straßen NRW hat unter anderem der städtischen Verwaltung bereits die drei verbliebenen von sieben Varianten vorgestellt. Dabei hat er eine oberirdische Variante favorisiert. Eine Grundsatzentscheidung des Bundes dazu steht voraussichtlich im Februar/März an. Anschließend folgt die Bürgerbeteiligung.

Warum oberirdischer Ausbau?

Obwohl zugegeben wird, dass mit der Tunnel-Lösung der Lärm im Gegensatz zum oberirdischen Ausbau auf ein sehr niedriges Maß reduziert werden könnte, schlägt der Landesbetrieb die oberirdische Variante vor. Schließlich lägen die Kosten sonst um 100 Prozent höher.
 
Und der vorgeschriebene Immissionsschutz (tags 59 dBA, nachts 49 dBA) werde mit allen Varianten unterschritten. Übrigens: Auch die vorgeschlagene Tunnel-Variante wird nur zwischen den Anschlussstellen Gartenstadt und Centrum greifen. An den übrigen Stellen sind ebenfalls Lärmschutzwände eingeplant (siehe Grafik).

Wie sieht der Lärmschutz aus?

Die favorisierte Variante 6 sieht Lärmschutzwände bis zu 7,50 Meter vor. Denkbar wären aber noch weitere Maßnahmen wie offenporiger Asphalt, der so genannte OpA (-5dBA), andere Lärmschutzanlagen wie Wälle und Galerien, die den Lärm umlenken.

Was sagt die Stadt?

In der Ratssitzung am 14. Dezember wurde eine Resolution beschlossen, die sich nochmals eindeutig für die Tunnel-Variante ausspricht. Der Oberbürgermeister wird darin ermächtigt, alle Mittel auszuschöpfen, diesen Beschluss durchzusetzen. Im Gespräch mit dem Landesbetrieb kritisierte die Verwaltung, der Aufwand für den Tunnel sei zu hoch gewichtet gegenüber der Verträglichkeit. Käme dieser nicht, wäre die städtebaulich inhumane Situation auf Jahrzehnte festgeschrieben. Daher sollte nicht an der falschen Stelle gespart werden.
 

KOMMENTAR: Kein guter Eindruck

Sollte sich der Bund vor der Bürgerbeteiligung und angesichts der Finanzlage für die günstigere Variante 6 entscheiden, ist zwar die Planung noch nicht festgezurrt, doch das Durchsetzen des Tunnels wird dann nahezu unmöglich sein. Man stelle sich vor - die jetzt schon von der Autobahn zerschnittenen Stadtteile werden dann auf eine 7,50 Meter hohe Wand blicken.

Jetzt also ist der Einsatz der Krefelder Politiker aller Ebenen gefragt, und dabei sollte es keinesfalls bei Lippenbekenntnissen bleiben. Keinen guten Eindruck macht es da, wenn engagierte Anwohner der Rembertstraße auf ihre Briefe an die vier Krefelder Bundestagsabgeordneten lediglich eine Rückmeldung erhalten. Deren berechtigte Sorgen werden so nicht zerstreut.

ZITATE

"Ich fände Lärmschutzwände nicht schlecht. Dann bliebe das Volk fern, das unsere Bäume markiert und Müll hierher schmeißt."
Stephanie Binger
 
"Ich fände es besser, wenn der Tunnel kommen würde. Dann käme ich schneller zu meiner Freundin auf der anderen Seite der Autobahn."
Lisa Engelbertz
 
"Die Lautstärke ist jetzt schon extrem. Wenn die Autobahn oberirdisch ausgebaut wird, wird es womöglich noch lauter."
Heidi Luven

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