Die Tage an Gymnasien sind unruhig geworden. Ein neues Zeitraster soll helfen.

Krefeld. Das "Turbo-Abitur" macht es nötig: Da die Gymnasialzeit auf acht Jahre verkürzt ist, muss jetzt täglich mehr Unterricht stattfinden als bisher - und das bringt organisatorische Umstellungen mit sich. "Ein neues Zeitraster muss her", sagt Rolf Nagels, der Sprecher der Gymnasien.

"Es muss ein anderer Takt her. Ein neues System bringt neue Anforderungen."

Würde wie bisher alle 45 Minuten das Fach wechseln und das achtmal bis in den Nachmittag hinein, käme zu viel Unruhe auf Lehrer und Schüler zu. "Direktoren aller Krefelder Gymnasien denken zurzeit über eine Änderung der Schulstundenlänge nach. Wir müssen den Ganztag strukturieren", sagt Nagels.

Für die Gymnasien werden mehrere Varianten durchgedacht: 60-, 65-, 70-, 90- oder 67,5-Minuten-Takte könnte es geben, wobei letztere Zahl nur fiktiv ist. Sie stellt den Durchschnitt von 65 und 70 Minuten dar und ist nicht wirklich zu realisieren.

Der neue Zuschnitt der Unterrichtseinheiten verspricht auf jeden Fall, dass es weniger Lehrer-, Lerngruppen- und Raumwechsel gibt. Der Schultag ist kein "Wandertag" mehr.

Es bleibt auch mehr Zeit für aufwändige Versuche und Klassenarbeiten, der Stundenplan gestaltet sich übersichtlicher - und sogar die schweren Schultaschen werden leichter. "Wir müssen die Schule als Lernort begreifen, in dem mit der Lernzeit der Schüler und der Arbeitszeit der Lehrer verantwortungsvoll umgegangen wird", betont Rolf Nagels.

Auch die anderen Schulformen können längeren Zeiteinheiten viel abgewinnen.

"Wir haben bereits langsam, aber sicher die 60-Minuten-Stunde eingeführt", berichtet Hildegard Reintges für die Grundschulen. "Das ergibt einen anderen Rhythmus des Vormittags und mehr Zeit beispielsweise für Versuche im Sachkundeunterricht. Es klingelt nur noch zu den Pausen."

Heide Schremmer, Sprecherin der Realschulen, findet längere Unterrichtseinheiten gut. "Ich sehe sie sehr gerne, besonders in den höheren Klassen. Sie gelten jedoch nicht generell; die Kollegen können wählen."

Die Zeiten, in denen der Pädagoge einfach Frontalunterricht erteilt habe, seien sowieso vorbei. "Der Lehrer ist vielmehr ein Helfer an der Seite, der die jungen Leute in einer veränderten Methodik an kooperatives Lernen in Gruppen- und Partnerarbeit heranführt." Dies sei in 45 Minuten nicht zu packen. "Hier muss ein anderer Takt her", sagt der Sprecher. "Ein neues System erfordert neue Anforderungen."

Am 30. März wird die Schulkonferenz am Gymnasium am Stadtpark, der Schule von Rolf Nagels, zur Beratung zusammenkommen unter dem Motto: "Was machen wir?" Die Abstimmung mit den anderen Gymnasien ist unumgänglich, zumal die meisten Schulen in der Oberstufe Kooperationen gebildet haben.

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