Junger Pianist erkundet virtuos das Seelenleben Chopins.

Krefeld. Der Barde beginnt mit seiner Erzählung, langsam erklingen die ersten Töne seiner Geschichte. Sie entwickelt sich, erreicht ihren tragischen Höhepunkt und bricht ab, Freude und Energie fallen in sich zusammen: Die Ballade Nr.1, g-moll, op.23 von Frédéric Chopin erzählt eine solche Geschichte allein aus Musik, ohne einen poetisch formulierten Titel.

Der junge Pianist Denys Zhdanov aus Kiev war im Kawai-Konzert am Freitag spontan eingesprungen. Er begann bedächtig, dann voller Freude. Sein Spiel ließ aufhorchen, es zeigte einen jungen Pianisten, der die vielfältigen Schattierungen der Musik Chopins auszuloten weiß.

Differenziertheit und Virtuosität verbanden sich auch in seiner Interpretation des Walzers As-Dur, op.42, etwas flacher gerieten die drei Mazurken op. 56. Die Polonaise-Phantasie As-Dur, op.61 ließ wieder verschiedene emotionalen Phasen hören. Überschwang, Virtuosität, Nachdenklichkeit, umkippende Empfindungen, beschrieb doch die Gefährtin Chopins, George Sand, sein Wesen als von Extremen bestimmt.

Er konnte witzig sein, ein glänzender Unterhalter, dann wieder fiel er in tiefe Trauer, war kaum ansprechbar. Denys Zhdanov hat jene Gegensätzlichkeit begriffen, gestaltete sie bewusst und mit jugendlicher Energie. Langanhaltender Beifall.

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