Ilona Pászthy untersucht die moderne Kommunikation.

Paula Scherf lässt ihren Körper abfilmen – doch der Tänzer im anderen Raum hat schon zur nächsten Frau geschaltet.
Paula Scherf lässt ihren Körper abfilmen – doch der Tänzer im anderen Raum hat schon zur nächsten Frau geschaltet.

Paula Scherf lässt ihren Körper abfilmen – doch der Tänzer im anderen Raum hat schon zur nächsten Frau geschaltet.

Dirk Jochmann

Paula Scherf lässt ihren Körper abfilmen – doch der Tänzer im anderen Raum hat schon zur nächsten Frau geschaltet.

Krefeld. Digital Natives nennt man Menschen, die bereits mit dem Internet aufgewachsen sind - grob die Jahrgänge ab Ende der 1980er- Jahre. Alle sind mit allen vernetzt, die Kommunikation spielt sich, einfach gesprochen, hauptsächlich über Bilder ab, nicht in tatsächlichen Begegnungen. Eine Trilogie hat die Kölner Choreographin Ilona Pászthy dieser zeitgenössischen Kommunikation gewidmet: Mit "I see U no. 1" war am Samstag der dritte Teil in der Fabrik Heeder zu sehen.

Der Befund vorweg: Hocken die Menschen nur vor ihren Computern, bleiben sie einsam. Trotzdem ist die Performance für die Zuschauer spannend, denn im Gegensatz zu den drei Akteuren müssen sie sich bewegen, um ihre Erfahrungen zu machen. In drei Gruppen sucht das Publikum Philipp van der Heijden, Paula Scherf und Raisa Kröger in ihren Räumen auf.

Für Van der Heijden hat Bühnenbildner MiegL mit wenigen Mitteln eine Kulisse aufgebaut. Da stehen Chips und Stullen in rauen Mengen um van der Heijdens Fernsehplatz herum. Aha, dieser Digital Native ist auch nur ein Couch Potato.

Alle Spielorte sind per Videoschaltung miteinander vernetzt. Wenn van der Heijden mit den Kolleginnen in den anderen Räumen via Bildschirm kommuniziert, wird er schon rege, tanzt mit seinem Stuhl und um ihn herum. Nur führt der Aktionismus nicht zu gelingender Kommunikation.

Das erfährt man bei Paula Scherf, die erst für sich mit dem Spiegel flirtet, um dann auf van der Heijdens Drängen ihren Körper abzufilmen. Er fordert forsch, was er zu sehen begehrt, bis Scherf klar wird, dass er zur nächsten Frau geschaltet hat.

Das ist Raisa Kröger. Vor ihre Bühne ist Gaze (Mull) gespannt. Das zwingt ihren Auftritt gleich in die Zweidimensionalität eines Bildes. Obendrein können die auf die Gaze projizierten Videos den Menschen dahinter ganz zum Verschwinden bringen. Wenn Kröger spricht, tut sie das im Playbackverfahren, die Adressaten ihrer "Perfect Body Show" sind auf jeden Fall schon nicht mehr persönlich gemeint.

Die Körper agieren, aber kommen nicht mehr zusammen. Was aber wäre, wenn die virtuell Einsamen tatsächlich in einem Raum aufeinanderprallten? Das wäre auch einmal Stoff für die Bühne.

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