Lim ist Meister darin, Stimmungsbilder am Piano zu schaffen.

Lim ist Meister darin, Stimmungsbilder am Piano zu schaffen.
Jaehan Lim begeistert sein Publikum beim Kawai-Konzert mit rhythmischen Akzentuierungen und Spannungsbögen.

Jaehan Lim begeistert sein Publikum beim Kawai-Konzert mit rhythmischen Akzentuierungen und Spannungsbögen.

Mark Mocnik

Jaehan Lim begeistert sein Publikum beim Kawai-Konzert mit rhythmischen Akzentuierungen und Spannungsbögen.

Krefeld. Jaehan Lim ist nicht das erste Mal zu Gast bei den Kawai-Klavier-Konzerten. 2012 war er schon einmal in Krefeld und jetzt sei es interessant, seinen aktuellen Entwicklungsstand wieder zu zeigen, findet Philipp Potz, künstlerischer Leiter bei Kawai Europa. „Er hat sein Repertoire erweitert, wenn auch Johann Sebastian Bach sein Lieblingskomponist ist.“

Mit II/5 Präludium und Fuge in D-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach beginnt der junge Pianist seinen Soloabend im Helmut-Mönkemeyer-Saal der Musikschule. Energisch dynamisch interpretiert er das Präludium, als wolle er bereits mit dem ersten Stück seine Virtuosität andeuten. Die Fuge präsentiert er glasklar, ihr Prinzip ist bei seinem Spiel hervorragend nachzuvollziehen.

Mal feierlich, mal melancholisch oder verspielt

Als zweites Werk hat sich Lim Sergej Prokofjews Sonate Nr. 4 op. 29 auf sein Programm gesetzt. Hiermit zeigt er auch, dass er langsame Passagen wie im Andante assai sensibel und ausdrucksstark ohne Pathos interpretieren kann. Der dritte Satz, ein Allegro con brio, ma non leggiero, bietet dem 22-Jährigen Gelegenheit, seine Virtuosität zu demonstrieren. Besonders die starke rhythmische Akzentuierung bei den rasanten Läufen fällt auf.

Mit Einfühlungsvermögen spielt Lim Robert Schumanns Arabeske op. 18. Dabei lässt er nicht nur eine klare Phrasierung erkennen, sondern schafft dabei schöne Spannungsbögen in dieser zart-romantischen Musik. Eine sehr fein gezeichnete Arabeske als musikalische Ranke entlockt er den Tasten. Bei den abschließenden Symphonischen Etüden op. 13 von Schumann kann der junge Pianist, der nach einem mit Auszeichnung abgeschlossenen Studium in Seoul nun an der Musikhochschule Dresden studiert, seine Fähigkeiten eindrucksvoll präsentieren. Er arbeitet die unterschiedlichen Charaktere der Etüden heraus. Mal gewichtig und feierlich, dann verspielt hüpfend, marschmäßig, melancholisch verträumt, dramatisch und sehr bewegt, dann weckt sein Spiel die Assoziation von Regentropfen und sanft wehendem Wind – wunderbare Stimmungsbilder lässt er in seiner Darbietung entstehen.

Nach den letzten Tönen sieht der Zuschauer ihm an, dass diese Vorstellung ihn auch körperlich so herausgefordert hat, als hätte er einen Langstreckenlauf hinter sich gebracht. Das Publikum kann ihm mit seinem begeisterten Applaus noch eine kleine romantisch tänzerische Zugabe entlocken. Dann schließt Lim unmissverständlich die Klappe des Flügels.

Adam Gozdziewski aus Polen spielt am 24. Juni Werke von Mozart, Beethoven, Chopin und Debussy. Beginn: 20 Uhr. Kartenreservierung: Tel. 373153 oder Tel. 373144.

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