Georg Büchners Drama ist doppelt auf Krefelds Bühnen vertreten. Nächste Woche ist die Premiere im Stadttheater.

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Woyzeck (Paul Steinbach) und Marie (Helen Wendt) leiden.

Woyzeck (Paul Steinbach) und Marie (Helen Wendt) leiden.

M. Stutte

Woyzeck (Paul Steinbach) und Marie (Helen Wendt) leiden.

Krefeld. Dass der arme geprügelte Hund Woyzeck auf gleich zwei Krefelder Bühnen leiden muss, ist ein bisschen bizarr, aber wenig verwunderlich. Büchners Fragment wurde per Ordre de Mufti zum Abiturstoff erkoren, und Tausende von Schülern können es kaum erwarten, dass Schauspieler dem papiernen Drama im Theater ein wenig Leben abtrotzen.

Nach dem Kresch, das einen lauten, modernen, bildgewaltigen "Woyzeck" vorgelegt hat, bereitet nun das Stadttheater seine Premiere vor, die am 25. November stattfindet. Hier wie dort setzt die Regie den tragischen Helden auf eine große Drehscheibe, so dass er gestresst durch die Welt rotiert, ohne jemals anzukommen.

Woyzecks Geschichte - das ist fast eine Binsenweisheit - ist aktuell wie selten. Der Mann hat vier Jobs, lebt trotzdem mit Marie und ihrem Kind in bitterer Armut und bringt seine Liebste am Ende aus Eifersucht und Verzweiflung um. Heute würde er wohl, bevor er zusticht, noch Peter Zwegat anrufen, aber selbst der kommt manchmal zu spät.

Woyzeck ist kein Psychopath, sondern ein Mensch in Schieflage

Als Regisseur zeigt Schauspieldirektor Matthias Gehrt den Mord gleich zu Anfang und erzählt die Geschichte danach im Rückblick. Für ihn ist Woyzeck "kein Psychopath, sondern ein zutiefst gehetzter Mensch", der in eine "extreme biografische Schieflage" gerät. Gehrt sucht also die Ursachen hinter dem Wahnsinn. Die komplexen militärischen Rangfolgen im Stück ersetzt er deshalb durch soziale Hierarchien. Büchners Sprache hingegen bleibt unangetastet: "Sie ist poetisch und zugleich kurzatmig. Das wollen wir nicht zu sehr abschleifen."

Hinter der Drehscheibe stellt Bühnenbildnerin Gabriele Trinczek sieben Stühle auf. Die Darsteller sitzen dort, treten ins Geschehen und ziehen sich zurück, wechseln erkennbar Kostüm und Rolle. Dahinter leuchtet ein Sternenhimmel, der Trinczek wichtig war: "Der Woyzeck hat noch eine Sehnsucht, der will noch was. Sonst müsste er ja nicht laufen."

"Woyzeck" von Georg Büchner. Premiere am 25. November, 20 Uhr, im Stadttheater. Karten für diesen und weitere Termine unter Ruf 02151/805 125.

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