In der Belegschaft rumort es. Viele haben Angst vor der anstehenden Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH.

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Die Umwandlung des Theaters in eine GmbH wird ein hartes Stück Arbeit – wie die Autofahrt im „Diener zweier Herren“.

Die Umwandlung des Theaters in eine GmbH wird ein hartes Stück Arbeit – wie die Autofahrt im „Diener zweier Herren“.

Matthias Stutte

Die Umwandlung des Theaters in eine GmbH wird ein hartes Stück Arbeit – wie die Autofahrt im „Diener zweier Herren“.

Krefeld. Es ist fast schon Routine: Die Kulturdezernenten berichten, die Politiker nicken, niemand hat Fragen. Die Harmonie ist verdächtig - vor allem, weil dieses Theaterkuratorium eigentlich so gern streitet, zur Not auch über Kleinigkeiten.

Doch in der existenziellen Frage der Umwandlung der Bühnen in eine gemeinnützige GmbH bleibt es auffällig ruhig: Ohne Nebengeräusche soll die Sache bis zum 1. September über die Bühne gehen.

Ganz anders sieht es in der Belegschaft aus: Unter den 500 Mitarbeitern herrscht zunehmend Unruhe, Verunsicherung, teilweise Angst vor Lohnkürzungen oder Jobabbau.

Ein Spiegel dieser Stimmung ist die anstehende Betriebsratswahl, bei der erstmals die Liste "Der offene Vorhang" antritt. Deren äußerst kritische Haltung zu den Umwandlungsplänen findet im Internet immerhin schon 70 namentliche Unterstützer aus der Belegschaft.

"Man sollte die Pläne in Ruhe hinterfragen, statt sie hoppla-hopp durchzuhauen", sagen zwei Vertreter der Liste, die aus Angst vor beruflichen Nachteilen ungenannt bleiben möchten. Die Argumente für die gGmbH-Gründung - vor allem die angeblichen steuerlichen Vorteile - halten sie für vorgeschoben: "Der jetzige Betriebsrat glaubt das ungeprüft. Die lassen sich einfach nur mittreiben."

"In manchen Köpfen ist der Prozess schon weiter, als er sein sollte."

Werner Rubarth, Vorsitzender des Theater-Betriebsrats

Die Kandidaten - beide seit vielen Jahren am Theater - fürchten nicht nur um die Rechte der Beschäftigten, sie haben auch Angst um die Zukunft des Theaters: "Was ist, wenn wir eigenständig sind und die alte Bühnentechnik kaputtgeht? Wer soll das bezahlen?" Fragen wie diese haben sie en masse: "Aber wir kriegen keine Antworten."

Auf die Vorwürfe will der Betriebsratsvorsitzende Werner Rubarth nicht näher eingehen. "Wahlkampfgetrommel und Polemik schaden nur dem Theater", sagt er. Rubarth und seine Kollegen setzen sich lieber in Gruppengesprächen mit den Sorgen der Belegschaft auseinander.

Diese Eindrücke wollen sie auch am 11. Mai mit in den großen Workshop nehmen, bei dem Verantwortliche beider Städte über die gGmbH-Gründung verhandeln.

"Wir haben klare Forderungen, die wir auch schon in einem Eckpunktepapier formuliert haben", sagt Rubarth. Rechte der Beschäftigten sollen vertraglich gesichert werden, ebenso der Einfluss des Betriebsrats. "Die Politik soll den Worten, die Zukunft des Theaters sichern zu wollen, Taten folgen lassen."

In einem Punkt gibt Werner Rubarth den Kritikern allerdings Recht. Die gGmbH-Gründung, die eigentlich nur "geprüft" werden soll, schreitet ihm allzu forsch voran: "In manchen Köpfen ist der Prozess schon weiter, als er sein sollte. Die Lokomotive rollt." Umso wichtiger ist, dass der Betriebsrat Führerstand und Weichen fest im Auge hat.

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