Bei einem Konzert erklingt Franz Schuberts Liederzyklus. Matthias Oelrich liest dazu autobiografische Texte von Obdachlosen.

Kalte Nächte mitten in Deutschland: Jahr für Jahr erfrieren im Winter Menschen, die auf der Straße leben.
Kalte Nächte mitten in Deutschland: Jahr für Jahr erfrieren im Winter Menschen, die auf der Straße leben.

Kalte Nächte mitten in Deutschland: Jahr für Jahr erfrieren im Winter Menschen, die auf der Straße leben.

dpa

Kalte Nächte mitten in Deutschland: Jahr für Jahr erfrieren im Winter Menschen, die auf der Straße leben.

Krefeld. "Wir freuen uns schon, wenn einer der Wohnungslosen am Morgen zum Kaffee kommt - nachdem er die Nacht draußen verbracht hat." In der Einrichtung für Obdachlose an der Lutherstraße hat Mitarbeiterin Iris Hilsenitz gelernt, sich auch über kleine Erfolge zu freuen. 40 Männer und sechs Frauen haben dort die Möglichkeit, die kalte Nacht gegen ein warmes Bett zu tauschen.

Auf die Lebensbedingungen dieser Menschen möchte der Liederabend "Krefelder Winterreise" aufmerksam machen, der am dritten Advent in der Friedenskirche aufgeführt wird. Es handelt sich um ein für Krefeld einmaliges Musikprojekt, das der Wiesbadener Journalist Stefan Weiller mit der Diakonie Krefeld-Viersen und Obdachlosen auf die Beine gestellt hat. 

"In Neuss waren alle Typen im Wohnheim besoffen. Seither bin ich in Krefeld."

Text aus der "Krefelder Winterreise"

Schuberts "Winterreise" mit Texten von Wilhelm Müller, die von Heimatlosigkeit und Ausgrenzung handeln, wird bei ihrer Premiere um Autobiografisches von Krefelder Wohnungslosen oder ehemals Wohnungslosen erweitert. Ohne Namen zu nennen, wird Matthias Oelrich, Schauspieler am Theater Krefeld-Mönchengladbach, Einblicke in den täglichen Existenzkampf auf den Straßen geben. Er wird damit zum Sprachrohr der Betroffenen.

Den Initiatoren geht es nicht nur darum, auf die Lebenssituation Obdachloser aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln. Sie wollen auch Geschichten festhalten, die nur in mündlicher Überlieferung existieren, Geschichten wie diese:

"Heimat ist alles für mich: Duisburg, die dreckigste, die wunderbarste Stadt dieser Welt. Duisburg, wo ich damals mein Mädel kennenlernte. In Köln versuchte ich, in einer Bahnhofsmission zu schlafen. Das war nix für mich: die Leute so ungepflegt. Das muss doch nicht sein. Einer riet mir: ’Du kannst nach Neuss oder Krefeld gehen.’ In Neuss waren die Typen in diesem Wohnheim alle besoffen, seither bin ich eben in Krefeld."

Musikalisch wird die bekannte Komposition von Franz Schubert leicht verändert, da mehr als ein Sänger den Zyklus vorträgt. Am Sonntagabend werden Christina Schmid (Sopran), Gabriel Heun (Tenor) und Dirk Schneider (Bariton) auftreten, begleitet von Hedayet Djeddikar am Klavier.

Superintendent Burkhard Kamphausen und Oberbürgermeister Gregor Kathstede unterstützen das Projekt.

Am Sonntag beginnt um 20 Uhr in der Friedenskirche das Konzert "Krefelder Winterreise". Eintritt frei, es wird um Spenden für Wohnungslose gebeten.

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