Der Einfluss der Mennoniten wird im Haus der Seidenkultur mit einer großartigen Schau dokumentiert.

Der Einfluss der Mennoniten wird im Haus der Seidenkultur mit einer großartigen Schau dokumentiert.
Die Wachporträts der Brüder Friedrich (1701-1778) und Heinrich von der Leyen (1708-1782) werden in der Ausstellung gezeigt.

Die Wachporträts der Brüder Friedrich (1701-1778) und Heinrich von der Leyen (1708-1782) werden in der Ausstellung gezeigt.

Kuratorin Ulrike Denter, Aurel von Beckerath und Kuratorin Ilka Neumann (v.l.) bei der Vernissage im Haus der Seidenkultur.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 2

Die Wachporträts der Brüder Friedrich (1701-1778) und Heinrich von der Leyen (1708-1782) werden in der Ausstellung gezeigt.

Krefeld. Das ist beeindruckend: Wachsporträts überliefern das Aussehen zweier von der Leyens sehr wirklichkeitsnah an die Nachfahren. Zu sehen sind die Brüder Friedrich (1701-1778) und Heinrich von der Leyen (1708-1782) in der neuen Ausstellung im Haus der Seidenkultur. Unter dem Titel „Vom Krähenfeld zur Seidenwelt. Einfluss der Mennoniten in Krefeld“ zeigt das kleine Museum in der Luisenstraße Objekte aus der mennonitischen Vergangenheit der Stadt.

„Die Mennoniten haben Krefeld zu Reichtum gebracht und die Stadt geprägt – ohne sie wäre die Seidenkultur nicht zu denken“, sagt Kuratorin Ulrike Denter. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte befasst und die Exponate zu den Mennoniten zusammengetragen. Großzügige Leihgeber sind das Stadtarchiv, das Kaiser-Wilhelm-Museum, das Museum Burg Linn, das Archiv der mennonitischen Gemeinde und auch einige Nachfahren der Seidenbarone.

Die Glaubenfreiheit in der Seidenstadt

Ulrike Denter gliedert die Ausstellung in zwei Bereiche. Der eine Raum erzählt insgesamt von der Entwicklung der Stadt unter mennonitischem Einfluss: Die Glaubensfreiheit in der Seidenstadt hat den Zuzug von kenntnisreichen, ehrgeizigen und damit erfolgreichen Menschen erst möglich gemacht.

Im zweiten Bereich werden einzelne Mitglieder mennonitischer Familien besonders hervorgehoben: „Ich wollte gerne auch die menschliche, familiäre Seite der Persönlichkeiten zeigen“, sagt Denter. So gibt es ein Zeichenbuch von Margarethe von Beckerath aus dem Jahr 1759. In Rötel sind hier Zeichnungen von Pflanzen zu sehen. Es ist eine private Leihgabe ihrer Nachfahrin Erika von Beckerath.

Die alte Dame hat auch ein Ölbild vom Schloss Cracau und dem Hohen Haus, Urheber unbekannt, zur Verfügung gestellt. Die Kaufurkunde der Burg Cracau ist auch zu besichtigen. Eine schwungvolle Feder gratuliert Marianne Rhodius (damals noch Marianne de Greiff) 1895 zu ihrem Geburtstag – der liebevolle Onkel Cornelius de Greiff pflegt die Familienbande.

Die Ausstellung: „Vom Krähenfeld zur Seidenwelt. Einfluss der Mennoniten in Krefeld“. Haus der Seidenkultur, Luisenstraße 15, bis 31. Januar 2016. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 13 bis 17 Uhr. Begleitprogramm: Vortrag von Christoph Wiebe (Pfarrer der Mennonitischen Gemeinde Krefeld) und Christoph Dautermann (MBL) am Dienstag, 13. Oktober, 18 Uhr. Geplant sind weiter „Einfluss auf die Krefelder Architektur“, Lesung der Krefelder Autorin Ulrike Renk aus ihren historischen Romanen und die „Mennoniten erzählen Familiengeschichten“.

Aurel von Beckerath steuerte eine alte Kasse der Firma von Beckerath bei: Sie wurde nach dem Bombenangriff 1943 im Keller gefunden. Darin zu erkennen sind eingeschmolzene Münzen.

Prunkstück in diesem Raum ist neben den sehr besonderen Wachsporträts eine Urkunde aus dem Jahr 1766. Darin verleiht König Friedrich II von Preußen den Brüdern von der Leyen das Seidenmonopol. Die Urkunde wurde vom Kaiser-Wilhelm-Museum ausgeliehen. Und – wie es einer Seidenfamilie gebührt – ist sie mit bestickten Bordüren und einem Stück Seidenstoff geschmückt. Ein Musterbuch der Gebrüder von der Leyen (MBL) zeugt von der Fülle der Muster und Qualitäten, die in alle Welt exportiert wurden.

Welchen Einfluss diese Familien auf die Geschicke der Stadt hatten, wird im hinteren Raum gezeigt. Die Vermächtnisse von Marianne Rhodius oder Adam Wilhelm Scheuten sind immer noch präsent.

Aus dem Erbe von Marianne Rhodius wurden die städtischen Krankenanstalten begründet, Scheuten legte den ideellen Grundstein für das „Moltke-Gymnasium“. „Mit der Franzosenzeit änderte sich vieles“, sagt Ulrike Denter, „daher liegt der Schwerpunkt der Ausstellung auf den Jahren davor.“

Ausführliche Erklärungen finden sich auf den Schautafeln in der Ausstellung. Wer sich für die Geschichte der Stadt interessiert, findet hier liebevoll zusammengestellte Exponate und umfassende Erklärungen. Was sich im Stadtbild erhalten hat, wird zudem in einer Fotoschau gezeigt. Führungen sind nach telefonischer Vereinbarung möglich.

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