Shakespeares Drama feiert morgen als Krimi Premiere.

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Hamlet (Friedrich Leberle) im Zwiegespräch mit seinem Freund Horatio (Esther Keil), im Hintergrund die kühlen Metallgitter des Bühnenbildes.

Hamlet (Friedrich Leberle) im Zwiegespräch mit seinem Freund Horatio (Esther Keil), im Hintergrund die kühlen Metallgitter des Bühnenbildes.

M. Stutte

Hamlet (Friedrich Leberle) im Zwiegespräch mit seinem Freund Horatio (Esther Keil), im Hintergrund die kühlen Metallgitter des Bühnenbildes.

Krefeld. Schon wieder so ein Außenseiter am königlichen Hofe. Nach der Burgunderprinzessin Yvonne, die auf dem Laufsteg der Eitelkeiten aus der Reihe tanzt und dafür sterben muss, wendet sich das Theater dem verlorenen Königssohn zu: "Hamlet, Prinz von Dänemark" feiert am Freitag Premiere.

Der lange Titel, obgleich bewusst gewählt, täuscht: Regisseur Thorsten Duit hat Shakespeares längstes Stück konsequent gestrafft, um es auf seinen psychologischen Kern zu reduzieren: Was treibt diesen Prinzen an, wie tickt er, und warum tickt er aus? "Man hat die Chance, das Drama als etwas zu erleben, was es letztlich auch ist: ein Krimi", erklärt Theatersprecher Martin Siebold. Was Duit als Ballast empfindet, hat er rausgeschmissen, unter anderem die berühmte Totengräberszene und die Person des Norwegerprinzen Fortinbras.

Die Übersetzung verzichtet auf alle romantischen Schnörkel

Als Vorlage dient die recht moderne Übersetzung von Jürgen Gosch, in der laut Dramaturgin Vera Ring "die klare Sprache Shakespeares aufgegriffen" wird - unter Verzicht auf alle romantischen Schnörkel. Aus dem gleichen Grund wollte der Regisseur keine Fechtkämpfe auf der Bühne: "Das erschien uns nicht hart und nicht schnell genug", sagt Ring. "Fechten hat ja immer etwas Kunstvolles." Stattdessen gehen die Charaktere mit Messern und Knarren aufeinander los.

Das dürfte vor allem jenem jungen Publikum gefallen, das sich schon aus schulischen Gründen mit Shakespeare befassen muss. Dass man den alten Meister auch mit Musik von Heather Nova, Linkin Park und Placebo untermalen kann, dürfte den einen oder anderen überraschen.

Passend zur Inszenierung verzichtet das Bühnenbild von Michael S. Kraus auf Burgmauern, Kronleuchter und Nebelschwaden: Er lässt das Drama in einer kühlen, metallenen Machtzentrale spielen, im Hintergrund eine Großstadt-Skyline. Das Stück, in dem bekanntlich die ganze Welt steckt, handelt schließlich auch von den Schattenseiten politischer Macht - ein Thema, mit dem man sich am Theater seit vergangener Spielzeit besonders gut auskennt.

Frederik Leberle (Hamlet), Christopher Wintgens (Claudius), Ralf Beckord (Geist), Ines Krug (Gertrud), Sven Seeburg (Polonius), Adrian Linke (Laertes), Floriane Kleinpaß (Ophelia), Esther Keil (Horatio), Tobias Wessler (Rosencrantz), Ronny Tomiska (Guildenstern), Joachim Henschke (ein Schauspieler).

Neben dem theaterpädagogischen Programm ist zu dem Stück eine Info-DVD erschienen, die für den Unterricht geeignet ist. Bestellung beim Theater gegen einen frankierten, adressierten Rückumschlag.

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