Das Kresch zeigt eine zeitgemäße Bearbeitung von Kleists „Kohlhaas“.

Helge Fedder erzählt die Geschichte von Kohlhaas.
Helge Fedder erzählt die Geschichte von Kohlhaas.

Helge Fedder erzählt die Geschichte von Kohlhaas.

T. Weinmann

Helge Fedder erzählt die Geschichte von Kohlhaas.

Krefeld. Das Gesicht von Kohlhaas, weiß auf rotem Grund gezeichnet, sieht furchterregend aus. "Wie wird einer so?", steht darüber geschrieben. So wirbt das Kresch-Theater für seine neue mobile Produktion. Bevor das Stück auf Tournee durch Deutschkurse an Krefelder Schulen geht, feiert es am Freitag Premiere in der Fabrik Heeder.

Wie wird einer so? Heinrich von Kleist hat in seiner Novelle "Michael Kohlhaas" die Antwort gegeben: Seine Titelfigur, ein erfolgreicher, rechtschaffener Rosshändler, hat so lange unter Willkür und Ignoranz der Obrigkeit zu leiden, bis er "mit Feuer und Schwert" durch die Lande zieht, mordet, raubt und brandschatzt.

Parallelen zu Amokläufen und Terrorismus drängen sich auf

Regisseur Helmut Wenderoth hält diese Geschichte für brandaktuell: "Wann reichen die Gründe, um aus einem hilflosen, verzweifelten Menschen einen von Hass und Wut Getriebenen zu machen, der nur noch Rache will?", hat er sich gefragt.

Parallelen zu Amokläufen und den Gewalttaten von Terroristen drängen sich auf: "Wer in manchen Teilen der Welt nach Gründen stöbert, die USA anzugreifen, muss nicht lange suchen", sagt Wenderoth. Ihm gefällt, dass hier nicht die Schuldfrage im Vordergrund steht: "Täter und Opfer sind nicht leicht auszumachen."

Sehr zur Freude der meisten Schüler ist nicht Kleists sperriger Originaltext die Vorlage der Inszenierung, sondern eine zeitgemäße Bearbeitung der Italiener Marco Baliani und Remo Rostagno. Sie haben Kleists 200 Jahre alte Novelle in ein Ein-Personen-Stück verwandelt, das in der Tradition des Erzähltheaters steht.

Schauspieler Helge Fedder rekapituliert darin das Schicksal des tragischen Helden, gestaltet mittels Tür und Stuhl sein eigenes Bühnenbild, deutet Charaktere an und zieht sich dann wieder in die Distanz des Erzählers zurück. Was Kohlhaas trieb, sollte nach den 60 Minuten jedem klar sein.

Premiere: Freitag, 19 Uhr, Fabrik Heeder. Auch Sonntag, 19 Uhr, Montag/Dienstag, 1./2. Februar, 10.30 Uhr. Karten unter Ruf 86 26 26.

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