Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert schallte am Sonntag durch das Hülser Gotteshaus.

Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert schallte am Sonntag durch das Hülser Gotteshaus.
Sopranistin Ewa Stoschek (im Bild) hat gemeinsam mit Cellistin Dörte Gläsel den Abend gestaltet.

Sopranistin Ewa Stoschek (im Bild) hat gemeinsam mit Cellistin Dörte Gläsel den Abend gestaltet.

Heike Hein

Sopranistin Ewa Stoschek (im Bild) hat gemeinsam mit Cellistin Dörte Gläsel den Abend gestaltet.

Krefeld. Ein Adventskonzert in historischem Ambiente und mit zeitlich passender Orgelmusik hat am Sonntagabend wieder zahlreiche Musikliebhaber in die Hülser Konventskirche gelockt. Der neue Kantor der Cyriakusgemeinde Heinz-Peter Kortmann hatte den Termin von seinem Vorgänger im Amt Matthias Zangerle übernommen, der nach Xanten gewechselt ist. Natürlich gestaltete Kortmann sein eigenes Programm und wählte für dieses Konzert die Sopranistin Ewa Stoschek und Cellistin Dörte Gläsel als Kammermusikpartnerinnen. Die Auswahl der Stücke bestimmte in der Kirche die Weidtmann-Orgel von 1683 entscheidend mit.

Musikauswahl zeigt klangliche Vielfalt der Weidtmann-Orgel

So gab es ein Programm mit Adventsmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Mit dem Solo „Ou s’en vont les gays berger“ (Wohin gehen die fröhlichen Hirten?) von Jan Michel Corette (1707-1795) entwickelte der Organist einen fröhlichen Einstieg, einen verhaltenen Freudentanz. Eine schöne Auswahl zeigte die klangliche Vielfalt der Register des historischen Instruments. Jede Variation hatte ihren eigenen markanten Charakter und mit jedem Ton wurde deutlich, dass es sich um ein historisches Instrument handelt.

Zwei Arien von Georg Philipp Telemann (1681-1767) „Ich will den Herrn loben“ und „Meine Seele soll sich rühmen“ bezogen die beiden Damen mit ein. Die Instrumente bildeten einen zurückhaltenden Rahmen für den Gesang der Sopranistin, die ganz im Stil der barocken Musik mit Koloraturen glänzen durfte. Die nächsten drei Werke des Ensembles stellten Variationen zum bekannten Kirchenlied „Nun komm der Heiden Heiland“ dar. In der Version von Friedrich Wilhelm Zachow (1663-1767), einer Choralpartita, konnte Kortmann wieder die Möglichkeiten der achtregistrigen Orgel herausstellen.

Den Zuhörern boten die drei schließlich noch eine kleine Europareise durch die Adventsmusik des 17./18. Jahrhunderts. Eine Koloraturarie des Venezianers Natale Monferrato (1603-1685) brachte venezianische Klänge und einen Hauch von Schwelgen in Tönen. Ähnlich ging es beim „Salve Regina“ von Bonifatio Gratiana zu. Dazwischen machte Kortmann mit seinem Orgelsolo einen Sprung in die französische Musik zu Zeiten Ludwigs XIV. mit dem Werk Noel II (Weihnachten II).

Genussvoll präsentierte er dabei wieder das Repertoire der Klangfarben, wobei das Register Vox humana (Menschliche Stimme) einen reizvollen näselnden Akzent in die Variationen von Flötenklängen brachte. Beim zweiten Teil seines Konzerts verließ das Ensemble die Empore. Denn für die nachfolgenden Kompositionen war die Weidtmann-Orgel nicht das optimale Instrument.

Die Musik ist zu „modern“, verlangt Akkorde, die auf dem historischen Instrument nicht wohlklingend gespielt werden können. So erlebte das Publikum eine perfekte Präsentation von Werken Vivaldis und Telemanns auf der Truhenorgel aus der Werkstatt Metzler. Die Fuge in g-Moll von Johann Adam Reincken (1643-1722) wurde zu einem unerwartet fröhlichen Stück, das man als „Vogelzwitscher-Fuge“ treffend bezeichnen könnte. Aber auch die Sängerin gab mit ihren letzten Beiträgen, insbesondere der Zugabe „Meine Seele soll sich rühmen“ einen jubilierenden Ausklang des stimmungsvollen Konzerts.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer