Die New York Gospel Stars machten auf ihrer Tournee quer durch die Republik Station in der Friedenskirche.

Konzert
Temperamentvolle und perfekte New York Gospel Stars begeistern rund 600 Zuhörer in der Friedenskirche.

Temperamentvolle und perfekte New York Gospel Stars begeistern rund 600 Zuhörer in der Friedenskirche.

Dirk Jochmann

Temperamentvolle und perfekte New York Gospel Stars begeistern rund 600 Zuhörer in der Friedenskirche.

Krefeld. Eigentlich brauchen die New York Gospel Stars nur fünf mal drei Meter Platz. Ansonsten einfach eine Kirchenkuppel. Von ihrem kleinen Fleckchen Bühne zwischen Altar, Krippe und erster Zuschauerreihe drangen die gewaltigen Stimmen am Dienstagabend in jede noch so entfernte Ecke der Friedenskirche. Auch ohne Mikros, die die sieben Sänger gerne mal beiseiteschoben, wenn das Temperament mit ihnen durchging.

Mit dieser Begeisterung, ob nun spontan oder durch große Professionalität glaubwürdig funkensprühend, rissen die Amerikaner die rund 600 Zuschauer schon nach kürzester Zeit von den Stühlen. Chorleiter Craig Wiggins ist der perfekte Einpeitscher für ein perfektes Konzert, bei dem jeder Ton sitzt. Mit viel Talent für witzige Szenen, aber auch für besinnliche Momente schrauben er und seine Mitsänger die Stimmung ganz nach Belieben immer weiter nach oben, um dann doch noch einmal innezuhalten für nachdenkliche Worte oder zarte Töne.

Zuhörer hat den Eindruck, als wird nur für ihn persönlich gesungen

Priscilla Diana Williams’ Interpretation von „Joshua fit the battle of Jericho“ wird zur schwungvollen Jazznummer. Ganz großartig soliert Alison Hill mit „This little light of mine“ oder „Oh, when the Saints“. Als Publikumsliebling entpuppt sich im Verlauf des Konzerts Ahmed Wallace. Zunächst noch etwas unscheinbar in der zweiten Reihe begeistert der Tenor nicht nur mit seinen Stimmbändern, sondern auch mit seinem augenzwinkernden Charme. Er bringt es fertig, so mit dem Publikum zu agieren, dass jeder einzelne Zuhörer oder jede Zuhörerin das Gefühl haben könnte, er singe ganz allein für ihn oder sie. Sein Solo zur jazzig angehauchten Version von „Silent Night“– eine Strophe „Stille Nacht“ versucht er auch, so gut es geht – ist phänomenal. Und auch sein „I believe I can fly“-Duett mit Tyrone Flowers bringt das Publikum zum Toben.

Die Zuhörer singen nicht nur und klatschen mit, sie trampeln, pfeifen begeistert, applaudieren immer wieder im Stehen. Und Teil zwei des Programms heizt Lust und Laune noch einmal merklich an. Die New York Gospel Stars wechseln von goldbestickten Gospelchor-Roben und den entsprechend meist spirituellen Songs in rote oder Silberpailletten-Abendkleider beziehungsweise rote oder graue Jacketts bei den Herren. Überall glitzert und glittert es bei den Damen festlich, während sie sich nun Pop- und Weihnachtsliedern zuwenden. Dazu gehört auch ein ungewöhnliches „Jingle Bells“ mit immer schneller werdendem militärischen Marschrhythmus. Und nicht nur Matia Washington – die schon vor der Pause unter anderem mit einer Gospel-Interpretation von „Up where we belong“ überzeugte –, auch ihre Stimme strahlt beispielweise bei ihrer Hommage an Whitney Houston. In ihr „And Iiiiiiiiii...“ aus „And I will always love you“ hinein schenken ihr die begeisterten Zuhörer gleich zweimal einen Zwischenapplaus. Die Sängerin, die mühelos über vier Oktaven singen kann, dankt mit funkelnden Augen.

Zum Schluss singt der Chor mit den Besuchern zusammen

Zum Abschied nach rund zwei Stunden Konzert gibt es als heftig erklatschte Zugabe auf Zuruf aus dem Publikum ein erstklassiges „Amazing Grace“ des Chorleiters und zuletzt noch ein unvermeidliches „I will follow him“ aller Beteiligten – Chor und Zuschauer.

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