Ulrike Renks Werk handelt von den Mennoniten und ihrer Auswanderung in die USA.

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Mit historischen Romanen über Krefelds bewegte Geschichte hat Ulrike Renk eine echte literarische Marktlücke entdeckt.

Mit historischen Romanen über Krefelds bewegte Geschichte hat Ulrike Renk eine echte literarische Marktlücke entdeckt.

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Mit historischen Romanen über Krefelds bewegte Geschichte hat Ulrike Renk eine echte literarische Marktlücke entdeckt.

Krefeld. Sie hat es wieder geschafft: In ihrem neuen Roman füllt Ulrike Renk eine historische Figur aus Krefeld mit prallem Leben und verbindet auf spannende Weise Fakten und Fiktion. Die Titelheldin von „Die Heilerin“ ist Margaretha op den Graeff. Mit ihren Geschwistern wächst sie in einer gottesfürchtigen mennonitischen Familie auf, die Eltern leben in dritter Generation in Krefeld.

Doch das letzte Drittel des 17. Jahrhunderts ist keine leichte Zeit für die Mennoniten. Es herrscht zwar Glaubensfreiheit, doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Viele Menschen stehen den Mennoniten feindselig gegenüber. Wie das für den Einzelnen war, ist nicht verbürgt: „Ich wollte trotzdem darstellen, wie sich Intoleranz auf die Menschen auswirkt“, sagt die Autorin.

Das Mädchen mit Down-Syndrom wird als Gottesgeschenk akzeptiert

Und so hat sie der Familie noch eine fiktive Schwester hinzugefügt, die kleine Eva. Die op den Graeffs nehmen sie trotz ihres Down-Syndroms als Geschenk Gottes an. „Ob das bei Mennoniten damals so war, weiß ich auch nicht“, gibt Renk zu. „Aber ich habe es mir so vorgestellt.“

Doch der Kleinen geschieht ein Unglück – nicht der einzige Zwischenfall. Mit zwölf anderen Familien entschließen sich die op den Graeffs 1683 daher zum Auswandern nach Germantown. Pastorius, Advokat aus Frankfurt, hatte für Landerwerb in Amerika geworben: Schon vier Wochen später segelten mehr als 50 Menschen aus Krefeld über den großen Teich. „Es hat mich interessiert, wie die Menschen so schnell eine solch schwerwiegende Entscheidung treffen konnten.“

Der zweite Teil des Buches schildert die Erlebnisse in Amerika und ist genau recherchiert. Die Begegnung mit dem „Edlen Wilden“ könnte so ähnlich stattgefunden haben: „Die Bürger aus Krefeld siedelten in der Nähe eines friedlichen Stammes“, sagt Ulrike Renk.

Ulrike Renk: „Die Heilerin“. atb, 618 Seiten, 9,95 Euro.
 

Ulrike Renk liest aus dem neuen Roman zuerst bei Thalia am 30. März, 19.30 Uhr, dann in der VHS am 7. April, 19.30 Uhr.
 

Neben den historischen Romanen gibt es die Eifel-Krimis „Echo des Todes“ und „Lohn des Todes“. Renks Seidenstadt-Krimis sind bei Leporello erschienen.
 

Sie reichert historische Fakten mit sinnlichen Eindrücken an: Man riecht, schmeckt, fühlt und leidet mit den Figuren. Margaretha op den Graeff lernt von der Mutter alles über Kräuter, der Leser gleich mit. „Die Maggie mag ich richtig gerne“, sagt Renk über ihre Hauptfigur. Aus den Unterlagen über die Auswanderung von 1683 geht lediglich deren Name hervor. Ihr Alter, ihre Heilkünste und alles andere verdankt sie der Fantasie der Autorin.

Derweil verkauft sich Ulricke Renks Buch "Die Frau des Seidenwebers" in Krefeld besser als Sarrazin. Mit „Die Frau des Seidenwebers“ hat die Krefelder Autorin Ulrike Renk eine magische Grenze gesprengt: „Jetzt sind 10 000 Stück verkauft“, sagt sie zufrieden. „Die nächste Auflage wird gedruckt.“

Ihr erster historischer Krefeld-Roman erschien im Herbst im Aufbau-Verlag. Grundlage bilden die Tagebücher der Brüder ter Meer. Fakten und Fiktion hat Renk gekonnt verbunden: Aus den Tatsachen über die Zeit und die Umstände hat sie mit Fantasie lebendige Gestalten erstehen lassen, deren Schicksal den Leser fesselt – eine ausbalancierte Mischung aus fundierter Recherche und der Freiheit des Autors.

Wie sehr die Krefelder das Werk mögen, zeigen auch die Zahlen in Krefelds großer Buchhandlung. „Wir haben mehr Exemplare von ,Die Frau des Seidenwebers’ verkauft als von Thilo Sarrazins Bestseller“, sagt Birgitt Schweren-Wolters von Thalia.

Der neue Roman „Die Heilerin“ ist über 600 Seiten dick, hat ein ebenso ansprechendes Cover wie „Die Frau des Seindenwebers“ und sollte nur am Wochenende in die Hand genommen werden: Man kann schlecht mit dem Lesen aufhören, wenn man einmal angefangen hat.

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