Beuys-Schüler Imi Knoebel ist öffentlichkeitsscheu und zugleich gefragt wie nie. Jetzt stellt er parallel mit David Reed aus.

Ausstellung
David Reed ist im Haus Lange das Pendent zu Knoebel.

David Reed ist im Haus Lange das Pendent zu Knoebel.

Imi Knoebel mit einem seiner Werke im Haus Esters. Exakt 21 Arbeiten sind in der Schau zu sehen. Morgen wird sie eröffnet.

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David Reed ist im Haus Lange das Pendent zu Knoebel.

Krefeld. Mit der Essenz eines langjährigen Werkes und einer Malerei, die die Grenzen der Architektur überwindet, begegnen sich zwei auf subtile Weise spektakuläre Ausstellungen, die morgen in den Häusern Lange und Esters eröffnet werden. Mit Imi Knobel und David Reed hat Museumschef Martin Hentschel in seiner letzten in den Mies-Villen kuratierten Schau zwei Altmeister der abstrakten Kunst zusammengeführt.

Knoebel geht zu seinen Anfangspunkten zurück

Während der Beuys-Schüler Imi Knoebel im Haus Esters unter dem Titel „Kernstücke“ fünfzig Jahre künstlerische Arbeit reflektiert, spielt David Reed mit seinem eigens für Haus Lange geschaffenen Bilderfries virtuos mit Mies van der Rohes Architektur. Genau 21 Arbeiten umfasst der Werkkomplex Knoebels, der viele ältere Arbeiten neu aufgelegt präsentiert. „Ich wollte wissen, wo meine Anfangspunkte sind“, sagt der Künstler dazu.

Es beginnt mit einer schlichten waagerechten Linie, die direkt auf die Wand gezeichnet ist. Das Pendant, die senkrechte Linie, ist im nächsten Raum zu finden. Zusammengefügt, bilden diese Linien einen rechten Winkel. Von diesem führt der Weg in den Raum. Auch hier bleiben die Formen minimalistisch streng.

Ein Keilrahmen ohne Bild an der Wand, eine dunkle Platte am Boden, daneben ein schlichter Schrank bilden eine Gruppe in der Halle des Hauses. Der Schrank ist aus Hartfaser, einem betont unscheinbaren Material, das der Künstler gerade wegen seiner „Wärme“ sehr schätzt. Im ehemaligen Esszimmer hat er eine ganze Wand mit zwölf gleich großen Hartfaserplatten verkleidet. Sehr monumental wirkt das Ganze, dem die Arbeit daneben wieder entgegenwirkt. Es ist eine Lichtprojektion auf der Wand, die einem großen rechteckigen Bild nachempfunden ist.

In einem anderen Raum ist dieses Bild dann tatsächlich zu finden, diesmal als direkt auf die Wand gemalte strahlend weiße Fläche. Direkt gegenüber liest man in kleiner Schrift 60 x 60, was ebenfalls ein Bildermaß sein könnte. Als ein intelligent gestricktes Gespinst von Gegensätzen und Bezügen zieht sich der Werkkomplex durch alle Räume. Immer wieder irritiert und provoziert der Künstler mit der extremen Reduktion seiner Arbeiten, die auch ebenso provokant auf Farbe fast verzichten. Eine besondere Ironie kennzeichnet daher auch die Wandarbeit „Alle Farben“, die sich in dunklem Grau präsentiert. Hier gibt Knoebel die strenge Form des Rechtecks zugunsten einer freien Unregelmäßigkeit auf, alle Farben heißt hier auch alle Formen.

Für Reed ist Abstraktion die Auflösung der Körperkonturen

Eröffnung ist morgen um 11.30 Uhr. Die Schau geht bis zum 23. August; an Sonntagen ist in Haus Lange Yves Kleins „Raum der Leere“ geöffnet. Der Eintritt für beide Häuser beträgt 6 Euro.

Zur Ausstellung erscheinen von beiden Künstlern hochwertige Drucke als Editionen zum Preis von je 1200 Euro.

Farbe und Form in großer Dichte begegnen einem auch im Haus Lange, wo David reed seinen Zyklus „The Mirror And The Pool“ zeigt. Breite Farbbänder, die die Wände genau halbieren, ziehen sich wie ein Fries durch das Haus. Abstrakte Formen von großer Dynamik, deren Formen teilweise auf Schablonen zurückzuführen sind, bilden Farbinseln von geballter Kraft. Neben Schwarz, Grau und Magenta gibt es immer wieder Blau in verschiedenen Schattierungen. Die Assoziation Wasser ist gewollt, denn für Reed bedeutet Abstraktion die Auflösung von Körperkonturen. Die Schwimmbewegung ist ein perfektes Beispiel dafür und ähnlich gleitet auch die Malerei als durchgehendes Band durch die Räume. Dass sie dabei scheinbar Wände durchdringt oder die äußeren Konturen von Yves Kleins berühmtem Raum der Leere nachzeichnet, ist ein wunderbares Wechselspiel mit der Architektur. In der Vorstellung des Künstlers wird das Haus selbst zu einer Art Pool, in dem die Betrachter sich wie Schwimmer bewegen.

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