Wie ein Krefelder das Bandoneon erfand und was aus dem Instrument wurde, zeigt eine Ausstellung.

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Handgefertigte Schönheit: ein Bandoneon aus der Ausstellung.

Handgefertigte Schönheit: ein Bandoneon aus der Ausstellung.

DJ

Handgefertigte Schönheit: ein Bandoneon aus der Ausstellung.

Krefeld. Trecksack, Lahmbalg, Quetschkasten, Bergmannsklavier: Das sind nur einige der unzähligen Kosenamen, die das Bandoneon trägt. Dem Instrument ist mit „Krefeld. Band. Bandoneon.“ eine komplette Ausstellung im Museum Burg Linn gewidmet.

Die Schau gehört zum 10. Krefelder Bandoneon-Festival – und ist ein wichtiger Teil davon, wie Jürgen Sauerland-Freer als Leiter des Kulturbüros betont: „Das Bandoneon ist ein Alleinstellungsmerkmal im Krefelder Kulturbereich. Das soll wieder ins Bewusstsein der Leute kommen.“

„Das Bandoneon gibt dem Tango erst seinen Klang.“

Janine Krüger, Musiklehrerin

In einem kleinen Musikladen am Dionysiusplatz erfand der Krefelder Heinrich Band etwa im Jahr 1848 das Bandoneon. Anders als das Akkordeon, das ein ähnliches Erscheinungsbild hat, kann die Weiterentwicklung statt 40 Tönen 88 hervorbringen. In der Musikszene sollte Bands Instrument mit den Jahren eine große Bedeutung bekommen.

Die Ausstellung zeigt anhand von über 20 alten Instrumenten die Entwicklung und Entstehung des Bandoneons. Kurator Klaus Schmidt-Hertzler, auch Mitarbeiter der WZ, ist bei seiner Recherche tief in die Archive Krefelds eingetaucht. „Ich habe Dokumente ausgegraben, deren Existenz so noch nicht bekannt war. In unserer Ausstellung können wir zum Beispiel belegen, dass Heinrich Band tatsächlich der Erste war, der das Bandoneon in dieser Form entworfen hat.“

In Argentinien gibt es nur noch 2000 bespielbare Bandoneons

In Musikerkreisen sei das bisher oft angezweifelt worden. „Wir haben jetzt Ausschnitte aus einer alten Tagesszeitung gefunden, in der Band eindeutig genannt wird,“ erklärt Schmidt-Hertzler. Zusammen mit vielen anderen Dokumenten wird auch dieser Artikel ausgestellt. Außerdem kann der Besucher an Hör- und Videostationen einen Eindruck vom Instrument gewinnen.

Zum 10. Bandoneon-Festival stellt das Museum Burg Linn zusammen mit dem Kulturbüro die Geschichte des Bandoneons vor.

Die Schau läuft bis 27. Januar 2013. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, ab 1. No-vember jeweils 11 bis 17 Uhr.

Das Bandoneon ist vor allem aus dem argentinischen Tango nicht mehr wegzudenken. Musiklehrerin Janine Krüger hat über dieses Thema ihre Doktorarbeit geschrieben und unterstützt die Ausstellung. „Das Bandoneon gibt dem Tango erst seinen Klang. Oft haben Musiker und Instrument eine ganz besondere Bindung zueinander.“

Umso trauriger ist es, dass inzwischen kaum noch bespielbare Instrumente existieren. Argentinien hat sogar ein Gesetz eingeführt, das verbietet, die Instrumente aus dem Land zu bringen. „Damit will man vermeiden, dass ein Instrument als teures Mitbringsel von Touristen gekauft wird.“

Zurzeit gibt es noch knapp 2000 bespielbare Bandoneons in Argentinien, wie viele es in Deutschland sind, ist nicht bekannt. Klaus Schmidt-Hertzler und Janine Krüger hoffen, dass sie durch die Ausstellung den Blick der Besucher schärfen können: „Auf so ein tolles Instrument muss einfach geachtet werden.“

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