Wenn aus vorweihnachtlicher Freude absoluter Horror wird: Die Gutowskis stellen sich mit „Hilde, der Baum brennt“ auf einen turbulenten Heiligabend ein.

Wenn aus vorweihnachtlicher Freude absoluter Horror wird: Die Gutowskis stellen sich mit „Hilde, der Baum brennt“ auf einen turbulenten Heiligabend ein.
Hilde freut sich auf Weihnachten und schmückt schon mal den Baum. Das interessiert ihren Mann Erwin recht wenig.

Hilde freut sich auf Weihnachten und schmückt schon mal den Baum. Das interessiert ihren Mann Erwin recht wenig.

Tobias Becker

Hilde freut sich auf Weihnachten und schmückt schon mal den Baum. Das interessiert ihren Mann Erwin recht wenig.

Von wegen Tatütata: Trotz Titel musste die Feuerwehr zur Premiere am Theater Hintenlinks keine Schläuche ausrollen. Denn „Hilde, der Baum brennt!“, das aktuelle Stück von Anuschka und Peter Gutowski, ist nicht ernst gemeint. Es handelt sich hierbei um eine Weihnachtssatire, die das Leben der Käsmanns beleuchtet.

Anuschka Gutowski ist Hilde Käsmann, die das biedere, kleinbürgerliche Zimmer der Eheleute mit fürsorglichem Druck auf Weihnachten trimmt. Ehemann Erwin (Birgit Neschen, mit Riesenbauch ausstaffiert) sitzt derweil im Schlafanzug auf dem Sofa, liest Zeitung und bleibt stumm. Nur hin und wieder nimmt er eine Fernbedienung zur Hand und stellt die Musik lauter. Die wird von Ruslan Maximovski, der Shorts und Badelatschen trägt, auf dem Akkordeon produziert. Der Musiker schaut aus einem Fernseher-Rahmen und murmelt zwischendurch ukrainische Texte. Hilde wirbelt gnadenlos herum, verteilt weihnachtliche Deko-Elemente, packt Päckchen aus und singt „Klopf, klopf“, verpasst ihrem Erwin Socken und Handschuhe und klingelt mit Glöckchen.

Als sie dann die Lichter am Baum an den Strom anschließen will, knallt es und es wird finster. Erwin kommt dann vor den Vorhang und freut sich singend, dass es die Oma umgehauen hat. In der nächsten Szene wird der Ablauf variiert, aber in bösartiger Schimpf-Stimmung. Hildes Kleidung, zuvor ordentlich, ist nun zerfetzt und die Frau wird zur Furie. „Oh, Tannenbaum“ klingt nun böse, „Klopf, klopf“ auch, und Erwin schlingt seiner Hilde den Schal um den Hals. Aber die Frau ist nicht totzukriegen, kommt nun als Nikolaus und fragt: „Wer tötete Hilde Käsmann?“ Erwin bekommt noch einen Pullover und der Nikolaus benutzt ihn als Zugtier.

Das Publikum ist von dem turbulenten Stück begeistert

Aber Hilde ist längst nicht am Ende, und das Publikum erlebt noch eine weitere Horror-Umdrehung der häuslichen Weihnachtsidylle. Als aus dem Himmel geworfener Engel kommt Hilde ganz in Weiß, sie ist der Racheengel, der auf die Männer schimpft. Auf Weiß folgt Schwarz, Hilde hat sich schon wieder neu kostümiert.

Erwin bekommt einen Soloauftritt vor dem Vorhang und singt „Maria durch ein´ Dornwald ging.“ „Lass nur Hilde, ich mach das schon“, sagt Erwin am Ende, als es ums Kerzenanzünden geht, und alles wieder von vorne zu beginnen scheint. Dann klatscht das Publikum und dankt für die ziemlich turbulente, aber sehr unterhaltsame Show.

Peter Gutowski setzte als Regisseur die Idee für das Stück um, verantwortete Ton und Beleuchtung. Anuschka Gutowski ist nicht nur singend, säuselnd und zeternd die tragende Figur, von ihr sind auch Kostüme, Ausstattung und Requisite.

Ruslan Maximovski ist der Akkordeonist im Fernseher, er überspielt aber auch vor dem geschlossenen Vorhang die kurzen Umbau- und Umkleidepausen. Eine ansehnliche Leistung bildet das kleine Ensemble mit dieser Eigenproduktion.

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