Fotograf, Designer, Künstler, Krefelder - Windges wird 70 Jahre alt. Ein Schwimmbecken dient ihm als Ausstellungsraum.

Theo Windges in seinem Atelier, einem ehemaligen Schwimmbad.
Theo Windges in seinem Atelier, einem ehemaligen Schwimmbad.

Theo Windges in seinem Atelier, einem ehemaligen Schwimmbad.

Dirk Jochmann

Theo Windges in seinem Atelier, einem ehemaligen Schwimmbad.

Krefeld. Dass hier ein Künstler seine Hand im Spiel hat, wird sofort sichtbar. Auf der in Schwarzweiß gestalteten Einladung leuchtet nur die schräg platzierte Zahl 70 in dunklem Rot. Die Ziffer Null bildet zugleich das O des Vornamens Theo, der wie der restliche Name in Schwarz gehalten ist. Manche lesen jetzt „The Windges“, sagt der Jubilar mit sichtlichem Vergnügen.

Immer einen ironischen Spruch auf den Lippen zu haben ist typisch für Theo Windges, der morgen sein 70. Lebensjahr vollendet. Angesichts dieser Zahl wird er doch ein bisschen nachdenklich. „Meine Eltern sind nicht so alt geworden.“

Einzelne Bilder fügt er zu neuen Motiven zusammen

Windges lebt seit dem Jahr 2000 mit seiner zweiten Frau Ellen in einer Wohnung an der Moerser Straße. Hier hat er auch sein Atelier, das sich in einem ehemaligen Schwimmbad im Untergeschoss des Hauses befindet.

In diesen ausgefallenen Räumlichkeiten zeigt er anlässlich seines Geburtstages seine jüngsten Arbeiten, die „Zweidimensionalen Räumlichkeiten“. Über geflieste Stufen steigt man in das ehemalige Schwimmbecken hinunter, dessen Wände als Ausstellungsfläche dienen.

Die an abstrakte Bilder erinnernden Arbeiten sind auf Bodenflächen zurückzuführen, die Windges vom eigentlichen Raum isoliert hat. Neuerdings fügt er einzelne dieser Bilder zu neuen Motiven zusammen, seine sogenannten „Multive“.

„Sehr katholisch und künstlerisch.“

Theo Windges über seine Kindheit

Seine Arbeitsinstrumente sind inzwischen die digitale Kamera und der Computer. Am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn stand die analoge Fotografie, bei der er gerne in der Dunkelkammer experimentierte. Sogenannte „Fotoverbrennungsselbstbelichtungen“ gehören zu dieser frühen Werkphase, einige Beispiele davon hat er an den Wänden hängen.

Windges, der sich mit Leib und Seele als Krefelder fühlt, ist in Rheydt als viertes von fünf Kindern geboren worden. Als „sehr katholisch und künstlerisch“ beschreibt er seine Kindheit. Es wurde Musik gemacht, gesungen und gemalt. „Wir waren so was wie die Trapp-Familie“, sagt er schmunzelnd.

Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen gehört die Aktion von Joseph Beuys

Die Basis für eine künstlerische Laufbahn war gelegt. Windges studierte visuelle Kommunikation an der Düsseldorfer Werkkunstschule und macht dort 1969 seinen Abschluss als Foto- und Grafikdesigner.

Er machte sich selbstständig und hat direkt mit einem Großauftrag Glück. Für die Fluggesellschaft LTU gestaltete Windges ein rotes Dach für die Flugzeuge, das viele Jahre Verwendung findet. Weitere Aufträge für die Düsseldorfer Messe, den Bayer-Konzern und die Stadt Krefeld folgen. Hier zeichnet er für das Stadtwappen, Werbung für den KEV und das Logo des Seidenweberhauses verantwortlich. „Mit seiner Form ist das Gebäude eine echte Rarität“, betont er.

Parallel zu der erfolgreichen grafischen Tätigkeit ist er immer wieder mit der Kamera künstlerisch unterwegs. Zu seinen eindrucksvollsten Erlebnissen gehört die Aktion von Joseph Beuys 1971 im Kaiser-Wilhelm-Museum, die er fotografisch dokumentiert hat.

Die Mappe mit 88 Fotos hütet der Künstler als besonderen Schatz, ein weiteres Exemplar hat der Krefelder Kunstverein dem Museum 2008 zum Geschenk gemacht. Dass er einer Einladung von Beuys, ihn im Atelier zu besuchen, nie gefolgt ist, bedauert Windges heute noch. „Ich war einfach zu schüchtern“, sagt er.

Das kann man dem 1999 mit dem Titel „Doctor humoris causa“ ausgezeichneten Künstler gar nicht glauben. Doch seine äußerlich stattliche Erscheinung und der Wortwitz im Gespräch können nicht ganz die sensible Künstlerseele verbergen. Diese zeigt sich in viel Energie und Herzblut, die er in anspruchsvolle und nicht immer erfolgreiche Projekte gelegt hat.

Dazu gehört das im Eigenverlag produzierte Buch „Kreuzweg“, das sich aufgrund der doch zu gewagten Kombination nackter Frauenkörper und religiöser Symbolik nur sehr schlecht verkauft hat. „Mein Bestseller“ grinst er und deutet im Vorbeigehen auf einen Tisch, dessen Unterbau aus Stapeln dieses Buches zusammengesetzt ist.

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