Ob Ballett, Schauspiel oder Konzerte – das Publikum soll bei einem vielfältigen Angebot mit allen Sinnen genießen.
Das Ballett „Sinfonie des Lebens“ von Robert North.

Das Ballett „Sinfonie des Lebens“ von Robert North.

Die Oper „Der Konsul“ (l.).

Das Schauspiel „Wir sind Borussia“.

Matthias Stutte, Bild 1 von 3

Das Ballett „Sinfonie des Lebens“ von Robert North.

Krefeld. Ein rot geschminkter und zu einem Kuss geformter Mund leuchtet auf der Titelseite des neuen Theaterheftes. Mit dieser verführerischen Nahaufnahme möchte das Theater Lust auf die nächste Spielzeit machen. Noch weitere, teilweise ungewöhnliche Blickwinkel und Nahaufnahmen aus dem Theateralltag finden sich in diesem Heft, das damit auch direkt auf den Spielplan hinweisen möchte.

Eine der Leitfragen, die sich Generalintendant Michael Grosse und sein Team sich dabei gestellt haben, war, wie man sich aus heutiger Sicht historischen Stoffen annähert. „Im Mittelpunkt steht immer das Ensemble, es ist der Protagonist“, formuliert Grosse einen weiteren zentralen Gedanken.

Darüber hinaus betont er, dass das Ensemble so aufgestellt sei, dass man viele Werke der Weltliteratur ohne externe Kräfte darbieten könne. Wie man dabei Bekanntes und Unbekanntes vermischen kann, zeigt ein Blick auf die Sparte Ballett.

„Neben unbekannteren Werken wird es auch die Blockbuster Bruckner, Dvo ak und Strauss geben.“

Mihkel Kütson, Generalmusikdirektor

Direktor Robert North kündigt zwei neue Produktionen an. Ein dreiteiliger Abend wird den berühmten „Bolero“ enthalten, der vor einigen Jahren bereits zu sehen war. Damals war er mit der hinreißenden Choreografie „Fado“ verknüpft, jetzt soll er den Mittelteil zwischen dem Stück „Für meine Tochter“ und einem dritten, noch namenlosen Teil bilden. Während der „Bolero“ große Orchestermusik erfordert (die allerdings vom Band kommen wird), werden die beiden anderen Teile von Klaviermusik begleitet sein.

Musiktheater „Der Konsul“, Oper von Gian Carlo Menotti (21.10.2017) „Hamlet“, Oper von Ambroise Thomas (25.11.2017) „Orpheus und Eurydike“, Oper von Christoph Willibald Gluck (17.2.2018) „Carte blanche – Musiktheater aktuell“ (26.5.2018)

Ballett „Sinfonie des Lebens“ (8.10.2017) „Für meine Tochter/ Boléro“ (7.4.2018)

Schauspiel „Deine Liebe ist Feuer“ von Mudar Alhaggi (15.9.2017) „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist (16.9.2017) „Wir sind Borussia“ von Martin Maier-Bode und Tobias Wessler (UA) (23.9.2017) „Cavalo de Santo – Das Pferd des Heiligen“ von Viviane Juguero/ Jessé Oliveira (6.10.2017) „Aus der Zeit fallen“ von David Grossman (24.5.2018) „Monty Python’s SPAMALOT“ von Eric Idle (03.02.2018) „Die Räuber“ von Friedrich Schiller (28.4.2018) „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing (8.6.2018) „Der Kontrabass“ von Patrick Süskind (17.10.2017)

Weihnachtsmärchen „Pinocchio“ (5.11.2017)

Wiederaufnahmen „Ein Hochstapler erzählt“, Soloabend mit Michael Grosse, Text von Thomas Mann (26.11.2017) „My Fair Lady“, Musical von Frederick Loewe (17.12.2017) „Mondlicht und Magnolien“, Komödie von Ron Hutchinson (6.2.2018) „Deutschland. Ein Wintermärchen“, Soloabend mit Michael Grosse, Text von Heinrich Heine (19.11.2017) „Novecento – Die Legende vom Ozeanpianisten“ von Alessandro Baricco (29.3.2018)

Jugendclub „Frühlings Erwachen“ nach Frank Wedekind (Sommer 2018)

Sonderveranstaltungen Festliche Operngala (2.12.2017) Gastspiel: „Josef, wir brauchen einen Krippenplatz“ von den „Comedian Harmonists Today“ (21.12.2017) Jazz im Foyer (18.9., 16.10. und 6.11.2017) „LiedGut“ ( ab 18.11.2017)

In dem Ballettabend „Souvenirs aus Ost und West“ verarbeitet North eigene Erinnerungen von einer Reise nach Russland, die er kurz nach dem Mauerfall unternommen hat. Die russischen Souvenirs werden mit Eindrücken aus Amerika und Kuba in Kontrast gesetzt, dazu gibt es Musik von George Gershwin und Dimitri Schostakowitsch.

Im Musiktheater erwartet das Publikum eine Mischung aus Klassikern und Raritäten. So wird in Krefeld erstmals die Oper „Hamlet“ von Ambroise Thomas zu erleben sein. Rafael Bruck wird die Titelrolle singen, an seiner Seite Sophie Witte als Ophelia.

Eine weitere Rarität ist Gian Carlo Menottis Oper „Der Konsul“. Sopranistin Izabela Matula wird in dieser Produktion ihre Abschiedsrolle in Krefeld geben. In Mönchengladbach wird die beliebte Sopranistin noch in „Lohengrin“ zu hören sein. Verdis Freiheitsoper „Nabucco“ und Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Euridike“ zählen zu den populäreren Werken.

Das leichtere musikalische Fach wird mit der Operette „Die Faschingsfee“ von Emmerich Kálmán bedient, das Krefelder Publikum kann sich auf ein Wiedersehen mit dem Klassiker „My Fair Lady“ freuen.

Noch ein Geheimnis, was den Inhalt betrifft, ist das sogenannte Format „Carte blanche – Musiktheater modern“. Bei diesem speziellen Forum für moderne Oper nimmt das Publikum auf der Bühne Platz und wird direkt in das Geschehen einbezogen.

Für das Schauspiel, das insgesamt ein Repertoire von 20 Stücken umfasst, kündigt Direktor Matthias Gehrt acht Neuproduktionen an. Darunter sind echte Klassiker wie „Der zerbrochene Krug“ von Kleist und Schillers „Die Räuber“. Letzteres wollte Gehrt immer schon einmal inszenieren und erfüllt sich jetzt diesen Wunsch. Auch seine Leidenschaft für die antiken Stoffe kommt mit der „Antigone“ von Sophokles zur Geltung.

Alltag von Menschen mitten im Krieg

In der Reihe außereuropäisches Theater gibt es als deutschsprachige Erstaufführung das Stück „Deine Liebe ist Feuer“. Geschrieben hat es der aus Syrien stammende Autor und Dramaturg Mudar Alhaggi. Er beschreibt den Alltag von Menschen in Damaskus mitten im Krieg. Auch der Regisseur Rafat Al Zakout stammt aus Syrien, lebt inzwischen als Flüchtling in Berlin.

Um Krieg und den Verlust eines geliebten Menschen geht es auch in David Grossmanns Text „Aus der Zeit fallen“, der von Orit Gal dramatisiert wurde. „Es ist kein Trauerspiel, sondern auch ein Fest des Lebens“, sagt Gehrt. Als „Unterhaltungsblödsinn auf hohem Niveau“ kündigt Gehrt dafür das Schauspiel-Musical „Monty Python’s Spamalot“ an.

Auch im Schauspiel wird es personelle Veränderungen geben. Helen Wendt und Jonathan Hutter treten neue Engagements in Oldenburg und München an.

Konzert für Viola von William Walten

Hochkarätige Solisten konnte Generalmusikdirektor Mihkel Kütson für die Konzerte gewinnen. So wird im Oktober Nils Mönkemeyer das Konzert für Viola von William Walten spielen, und auch Geigerin Elina Vähälä wird erneut mit den Sinfonikern musizieren. „Neben unbekannteren Werken wird es auch die Blockbuster Bruckner, Dvorák und Strauss geben“, so Kütson.

Ein umfangreiches Programm für theaterbegeisterte Jugendliche haben sich auch die Pädagoginnen Silvia Behnke und Maren Gambusch einfallen lassen. Gemeinsam mit den Jugendclubs studieren sie in Mönchengladbach ein Tanz-Stück zu Gottfried Kellers Erzählung „Romeo und Julia auf dem Dorf“ ein und in Krefeld Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“.

Mit einer Kreativ-Werkstatt und zahlreichen Workshops erweitern die Pädagoginnen auch das Angebot für Lehrer und Familien. Mit diesen vielfältigen Angeboten möchten die Theaterleute das Publikum einladen „Theater mit allen Sinnen zu genießen“.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer