Die Premiere des neuen Pappköpp- Programms „Krieewelungen“ begeistert.

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Die Premiere der Pappköpp war ausverkauft – die 25 weiteren Vorstellungen sind es auch.

Die Premiere der Pappköpp war ausverkauft – die 25 weiteren Vorstellungen sind es auch.

Andreas Bischof

Die Premiere der Pappköpp war ausverkauft – die 25 weiteren Vorstellungen sind es auch.

Krefeld. Matthes ist keine Marionette mehr. Jetzt ist er bärenstark. Als Peter Wimmers für die "Krieewelsche Pappköpp" herausfand, dass die Nibelungensage Humbug ist, weil Siechfried aus Xanten nicht weiter als zur Linner Burg kam, meldete sich der Vorwitz sofort für die Hauptrolle: "Lot mech ma make." Die Premiere der "Krieewelungen" hatte ein begeistertes Publikum.

Der krächzende Siechfried Matthes gibt überall den Ton an: Am Hof in Xanten bei seiner holländisch intonierenden Mutter Sieglinde, in der Lehre beim Schmied und erst recht bei den Burjundern, die sich auf der Linner Burg eingenistet haben. Dem Hagen von Oppum aus der Mühle "von de von der Hocht" gönnt er keine Schnitte, bis der ihn hinterlistig bei der Jagd im Hülser Bruch am Scheibenstand erlegt. Doch als die Burjunder mit dem Schlachtruf "Wir kömme met allemann vürbee" Düsseldorf erobern, wird er ganz schnell wieder lebendig.

In elf Bilder haben die Pappköpp die wahre Geschichte der alten Sage gefasst und auf krieewelsche Verhältnisse umgeschrieben - die Epochen munter vermischt, die Gegenwart rückwärts projiziert, alles mit viel Liebe, Fantasie und ganz viel Fleiß. Rüdiger Tiefers hat monatelang an den Puppen und Bildern getüftelt. Regisseur Ralf Kochan versteht es, den traditionellen Pappköpp-Figuren in den ungewohnten Rollen viel Handlung zu geben. Bei der wortlosen Szene, in der Siechfried seinen neuen Freund Gunter auch noch in der "Hochtiensneit" vertreten muss, lässt er den Beamten von der Stadtverwaltung in einer Ersatzhandlung auftreten, absolut kontrastreich.

Sprachlich sind die Pappköpp-Figuren wieder schöpferische Spitze, wenn es um "minne Gesang" geht oder die Schatzsuche in den Niepkuhlen, die "niegelungen" ist, Siechfried das "jrote Latrinum" nicht braucht.

Und die szenischen Ideen sprühen, wenn der Drache über die Köpfe der Zuschauer hinweg auf die Bühne zischt, Siechfried ihn mit "Platz!" bändigen will, der darauf mit feurigen Augen immer länger wird, der Drachentöter auf der "Jiet" davon reitet.

Bis Mitte März geht das fantasievolle Mundartstück noch 25 ausver kaufte Male über die Bühne des Pappköpp-Theaters an der Peter- Lauten-Straße.

Krefelder Figuren wie die gefürchteten Ackers-Brüder der 60er Jahre werden munter einbezogen, Hagen wird zum Borussia-Fan und singt "Nie wieder zweite Liga", und die "Behelfskirche mit ohne Spitze obendrauf" wird ebenso karikiert wie das Vorurteil gegen "Glabbach" bestätigt: "Die han all en Eck av."

Über allen singt die Prolog-Figur die neue Fassung des "Nibelungen"-Liedes und führt so in die Szenen ein: "Ech well öch sage, wie dat sech hät bedrare."

Die historische Recherche der Pappköpp beschert den 4160 Krefeldern, die eine Karte fürs Programm erstanden haben, neue Erkenntnisse und vergnügte Abende. Die anderen haben sich bei der Ticketausgabe nicht rechtzeitig angestellt.

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