Mit „Best of“ und Kehraus-Party feiern Hunderte bis tief in die Nacht den Abschied vom TaZ. Ein wenig Wehmut ist dabei.

Zum Abschied erzählt Schauspieler Adrian Linke im Foyer unter großem Jubel die Schauermär vom „Shockheaded Peter“.
Zum Abschied erzählt Schauspieler Adrian Linke im Foyer unter großem Jubel die Schauermär vom „Shockheaded Peter“.

Zum Abschied erzählt Schauspieler Adrian Linke im Foyer unter großem Jubel die Schauermär vom „Shockheaded Peter“.

Dirk Jochmann

Zum Abschied erzählt Schauspieler Adrian Linke im Foyer unter großem Jubel die Schauermär vom „Shockheaded Peter“.

Krefeld. Die schönsten Pointen kann man sich nicht ausdenken, sie passieren einfach. Als am 9. Dezember 2008 Hunderte vor dem Rathaus für eine würdige Zukunft ihres Theaters demonstrierten und die Politik dennoch unbeeindruckt das alte Lied vom Sparen anstimmte, kam das Ensemble zur Abendvorstellung in ein stockdunkles TaZ - Stromausfall. Reaktion eines Schauspielers: "Das geht aber schneller als gedacht."

Am Samstag nun gingen in der als Theater geschminkten Lagerhalle tatsächlich und für immer die Scheinwerfer aus. Im Rückblick konnte Intendant Jens Pesel mit rund 600 Gästen sogar über die schlimmen Zeiten lachen. Die Show darf schließlich weitergehen, ab August wieder im angestammten Haus am Theaterplatz.

Zum Abschied vom TaZ mit "Best of" und Kehraus-Party zeigt sich gleichwohl unmissverständlich, wie dieses seltsame Jahr die Theaterleute und ihr Publikum zusammengeschweißt hat. Stehende Ovationen und minutenlangen Applaus gibt es für die von Dramaturgin Vera Ring und Regisseur Reinhardt Friese liebevoll arrangierte Reise durch ein außergewöhnliches Jahr.

Von Donizetti bis Tina Turner, von Jesus Christ bis Johnny Cash zeigt das Ensemble nochmals geballt, wie ungeheuer vielseitig und leidenschaftlich es hier Theater macht. Wie bei jedem Abschied schwingt Wehmut mit: dass der trockene, präzise Humor von Stefan Diekmann künftig anderswo für Lacher sorgt; dass die ungezwungene Atmosphäre des TaZ sehr viel mit Blech, Biertischen und Bauzäunen zu tun hat und sie deshalb nicht hinüber zu retten sein wird; vor allem aber, dass der kleine Saal verschwindet, wo Cash hundertmal präsenter schien als jetzt im großen.

Nun denn, vorbei. Das Theater wird wieder Theater, das TaZ wieder Lagerhalle. "Ist der Gast erst aus dem Haus, hat der Hausherr wieder Ruh’", tröstet Jens Pesel seine Gastgeber von den Stadtwerken Krefeld (SWK).

Allein für den Canale Grande im "Diener zweier Herren" brauchte das Theater 20 800 Liter Wasser. Für den Wassergraben in "Dantons Tod" kamen noch 22 000 Liter hinzu.

In einem Jahr TaZ tranken die Mitarbeiter 13 500 Tassen Kaffee. Jelka verkaufte in ihrer Kantine exakt 8103 Frikadellen - die waren auch bei den SWKlern beliebt.

Doch bevor das Abenteuer zu Ende geht, darf es noch einmal laut werden, dank einer grandiosen Mitternachts-Show im Foyer, dank einer Party bis tief in die Nacht. Mag sein, dass es den Mitarbeitern der SWK am Montagmorgen auf ihrem Gelände ein bisschen langweilig vorkommt.

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