Bei „Homefront“ sind Kostümwechsel eine Herausforderung.

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Ronny Tomiska (links) und Frederik Leberle wechseln bei „The Homefront“ in hohem Tempo die Rollen. Ihre Umkleide ist ein Schrank.

Ronny Tomiska (links) und Frederik Leberle wechseln bei „The Homefront“ in hohem Tempo die Rollen. Ihre Umkleide ist ein Schrank.

Matthias Stutte

Ronny Tomiska (links) und Frederik Leberle wechseln bei „The Homefront“ in hohem Tempo die Rollen. Ihre Umkleide ist ein Schrank.

Krefeld. Gäbe es im Schrank eine Kamera, sie hielte unfassbare Szenen fest. Zwei erwachsene Männer, die sich auf engstem Raum an-, aus- und umziehen, rothaarige Perücken beiseite schmeißen und sich blonde auf den Kopf schieben, nach Sonnenbrillen tasten und mit einer schnellen Handbewegung die Schranktür aufstoßen, um wieder hinaus zu springen, zurück auf die Bühne.

Perücken, Brille und Kleider müssen an der exakt richtigen Stelle liegen

Für Ronny Tomiska und Frederik Leberle ist das Drama "The Homefront" schwere körperliche Arbeit. Als Blake und Sean hüpfen sie die drei Ebenen der Bühne hinauf und hinunter, wechseln teilweise im Minutentakt die Rollen. Ein normaler Kleiderschrank ist ihr Ankleidezimmer. "Man muss jedenfalls nebenbei keinen Sport mehr machen", sagt Leberle. "Die Knieschmerzen, blauen Flecken und verknacksten Füße bekommt man auch so."

Schon bei den Proben entwickelte sich der Schrank zum unberechenbaren Nebendarsteller im bitteren Familiendrama. "Das Ding war ziemlich instabil", erzählt Ronny Tomiska. "Türen und Seitenwand sind manchmal rausgeflogen." Erst ein paar zusätzliche Streben verliehen ihm die Haltbarkeit eines Tüv-geprüften Klettergerüsts. Und so benutzen die Schauspieler ihn auch.

Vor jeder Vorstellung in der Fabrik Heeder richtet nicht etwa die Requisite den Schrank ein, die Darsteller gestalten ihre enge Kabine selbst. "Alles muss an der richtigen Stelle liegen", sagt Leberle. Jeder Handgriff muss sitzen, für Nachdenken oder Absprachen ist keine Zeit. "Es geht oft um Sekunden", sagt Tomiska.

Doch diese in sechs Probenwochen geölte Maschinerie birgt auch Gefahren. "Es darf nicht zu automatisch werden", sagt Ronny Tomiska. "Das Spielerische ist wichtig." Das Tohuwabohu auf der Bühne folgt zwar einem genauen Plan, doch immer wieder laufen Kleinigkeiten tatsächlich schief. Dann heißt es Verzögern und Improvisieren, bis alles wieder ineinander greift. "Während des Stücks müssen wir im Kopf ganz schnell sein", betont Leberle.

Denn nicht nur das "Hau-Drauf-Theater" schneller Rollen- und Kostümwechsel muss weitergehen, auch die Tragik der Figuren darf nicht ins Lächerliche kippen. "Am Ende", sagt Leberle, "schnürt einem das Stück den Hals zu." Zwischen turbulenter Farce und klaustrophobischem Drama nimmt es seinen Lauf - im Schrank und auf der Bühne.

"The Homefront", Fabrik Heeder. Termine: 18., 20., 26. Juni, 20 Uhr. Karten gibt es unter Ruf 805 125.

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