Die Compagnie movingtheatre.de nimmt in der Fabrik Heeder die Geschichte zu leicht.

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Nachdem die Mauer aus Pappkartons zerbrochen ist, finden die Tänzer zueinander.

Nachdem die Mauer aus Pappkartons zerbrochen ist, finden die Tänzer zueinander.

Privat

Nachdem die Mauer aus Pappkartons zerbrochen ist, finden die Tänzer zueinander.

Krefeld. Der Fall der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. Ein politisches und für die meisten Menschen ein höchst emotionales Ereignis. Das ist nun 20 Jahre her, doch die Erinnerungen daran dürften höchst lebendig sein.

Ein Theaterstück, das sich mit einer Mauer zwischen Menschen auseinandersetzt, bewegt sich zwangsläufig in diesem Kontext. Die Kölner Compagnie movingtheatre.de gastierte jetzt mit ihrer Tanztheaterproduktion "Site specific - you are not alone anyway!" in der Fabrik Heeder.

Da fällt auch eine Mauer, aber die ist nur aus Pappe, und die Annäherung ans Thema ist viel zu verspielt.

Massimo Gerardi und Emanuele Soavi sind die Tänzer und Choreographen dieser Produktion. Aus 56 großen Kartons, die am Anfang ordentlich aufgereiht auf der Bühne liegen, errichten sie ihre Mauer, auch das Publikum wird durch sie in zwei Lager geteilt. Später darf man die Seiten wechseln.

Als die Mauer fällt, wird endlich auch getanzt

Soavi geriert sich in seiner Hälfte wie ein eingesperrtes Tier. Er hält die Isolation nicht aus, schreibt auf einen Ballon die Botschaft: "You are not alone anyway!", bugsiert diesen über die Mauer.

Gerardi hingegen erklärt den Zuschauern in seiner Hälfte, dass er es schätzt, allein zu sein und keine Kompromisse mit anderen eingehen zu müssen. So privat und klein - gemessen am historischen Kontext - bleibt das Stück im ersten Teil. Das ist nicht besonders spannend.

Sehr plötzlich fällt dann auch die Mauer, einfach weil die Akteure den Kontakt suchen, sich zunächst Lücken zurecht schieben, dann kurzerhand die Kartons beiseite räumen - und dann wird’s für kurze Zeit doch noch spannend.

Endlich wird getanzt, und im finalen Pas de deux wird deutlich: So leicht ist die Annäherung der bisher Getrennten dann doch nicht. Im positiven Sinne reibungsvoll agieren hier Soavi und Gerardi, und am Ende bleibt offen, ob sie eine gemeinsame Basis gefunden haben.

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