„Trinity“ stellt den weiblichen Körper auf der Bühne der Fabrik Heeder tänzerisch in den Mittelpunkt.

„Trinity“ stellt den weiblichen Körper auf der Bühne der Fabrik Heeder tänzerisch in den Mittelpunkt.
Masken sind Teil der Performance, die die Tänzerinnen beim Auftakt der Reihe „First Steps“ auf die Bühne der Fabrik Heeder bringen.

Masken sind Teil der Performance, die die Tänzerinnen beim Auftakt der Reihe „First Steps“ auf die Bühne der Fabrik Heeder bringen.

Alessandro de Matteis

Masken sind Teil der Performance, die die Tänzerinnen beim Auftakt der Reihe „First Steps“ auf die Bühne der Fabrik Heeder bringen.

Krefeld. Die in Finnland geborene und in Köln lebende Choreographin Marja-Leena Hirvonen ist mit vier Tänzerinnen nach Krefeld angereist, sie zeigt ihre erste abendfüllende Produktion. Mit „Trinity“ startet die Reihe „First Steps“ auf der Heeder-Bühne. Einen ersten Eindruck ermöglicht bereits eine kleine Fotoausstellung im Foyer.

Um den weiblichen Körper, um Selbst- und Fremdwahrnehmung soll es in dem Tanzstück gehen. Paul Valery wird in der Information der Truppe bemüht, der drei Körper nennt: Das „Ich“, das „Mein“ und den „mythologischen Körper.“ Aus einem länglich aufragenden Kokon befreit sich eine Frau, die behauptet, sie sei „Johanna – Tochter, Ehefrau, Mutter und Performerin“, während ihre Kolleginnen in langen Kleidern um sie herum posieren und sich fließend bewegen. Masken tragen sie zunächst auf den Hinterköpfen, Janusköpfen gleich.

Englisch, Deutsch – und Zitate von Simone de Beauvoir

Es wird viel geredet, in Deutsch und Englisch. Simone de Beauvoir wird zitiert, die behauptet, dass man zur Frau gemacht wird. Die vier Frauen lachen flirtend ins Publikum, grimassieren und laufen hektisch umher. Es folgen aber auch romantische Bewegungen, die Kleidung wird gewechselt, so dass alle schwarze Hosen mit Oberteil tragen. Der zu Beginn abgewickelte Kokon wird zum Brautkleid mit Schleppe, die „Braut“ wird darin eingewickelt.

Wilde Bewegungen und Kämpfe folgen, eine Frau redet von der Gewalt, die sie ausüben würde, um ihre Tochter zu retten. Mit freiem Oberkörper, die Rücken dem Publikum zugewandt, hüpfen die Frauen in Formation ausgiebig über die Tanzfläche. Später wird viel gekeucht und gestöhnt, diese Geräusche, wie auch Musik wechselnder Stile, werden eingespielt.

Allein die Tanzsprache scheint schwer zu übersetzen

Auch nach 50 Minuten scheint man zunächst kein Ende zu finden. Die Frauen laufen um die Tanzfläche, drehen sich im Kreis und liegen und räkeln sich mal auf dem Boden. Das Schwinden des Lichts und der leiser werdende Ton zeigen den Schlusspunkt der Performance an. Es gibt reichlich Beifall für die Darbietung.

Das tänzerische Repertoire des weiblichen Quartetts ist nicht sehr aufwendig, einige Wiederholungen erhöhen die Spannung nicht. Die Botschaft wird auch über den gesprochenen Text vermittelt und ist nicht immer den bewegten Ausdrücken zu entnehmen. Die Frage nach dem Ursprung des „Frauseins“ soll gestellt, aber nicht beantwortet werden. Alleine in Tanzsprache ist sie offenbar nicht zu übersetzen, jedenfalls scheint das nicht das Ziel von Choreographin Marja-Leena Hirvonen gewesen zu sein.

Die lässt sich anschließend im Choreographinnen-Talk im Gespräch mit Ilona Pászthy noch befragen und zeigt sich selber nicht ganz zufrieden. Eigentlich sollten die vier Frauen unterschiedlicher sein, aber die durchtrainierten Profi-Tänzerinnen sind sich sehr ähnlich. Noch einmal vor den Beginn der Arbeit gestellt, würde sie wohl mit Laien arbeiten wollen. Dass diese von ihrer Gestalt her mehr Identifikationsmöglichkeiten und Differenzen bieten, ist möglich. Ob so die tänzerische Qualität zu erhöhen ist, bleibt dabei fraglich.

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