Die Tanzmesse NRW war zu Gast in der Fabrik Heeder. Das Interesse des Publikums an den sechs Stücke war groß.

Anna Huber bei ihren „Aufräumarbeiten am Wasserfall“.
Anna Huber bei ihren „Aufräumarbeiten am Wasserfall“.

Anna Huber bei ihren „Aufräumarbeiten am Wasserfall“.

Caroline Minjolle

Anna Huber bei ihren „Aufräumarbeiten am Wasserfall“.

Krefeld. Wenn heute in Düsseldorf die Internationale Tanzmesse zu Ende geht, haben 60 Kompagnien an elf Orten ihr Können gezeigt. Mit dabei war auch die Fabrik Heeder, wo zwei Nachmittage lang – am Donnerstag und Freitag – jeweils drei Stücke in Folge gezeigt wurden. Dabei wurden beide Studiobühnen genutzt.

Ein zärtlicher Tanz mit einem Torso

Am ersten Nachmittag lockten drei Solostücke viel Publikum nach Krefeld. Den Auftakt besorgte der koreanische Choreograf und Tänzer Choi Young-hyun (Noname Sosu) mit seiner Kreation „Not I“, die von einem Bühnenmonolog von Samuel Beckett inspiriert ist.

Eine lebensgroße Puppe sitzt dem Akteur an einem Tisch gegenüber. Plötzlich steht er auf und nimmt den Oberkörper der zusammengesteckten Figur an sich. Eine Viertelstunde lang entwickelt sich daraus ein faszinierendes Kammerspiel, bei dem der Tänzer sich mit dem Torso fast zärtlich verbindet und gewaltsam zu lösen versucht. Aus der Trennung heraus sucht er wieder die Nähe.

Schließlich gelingt es ihm, in den Bewegungsabläufen die Illusion eines Körpers zu erzeugen. Am Schluss sitzen beide wieder am Tisch. Dazu erklingt Musik von Arvo Pärt, deren melancholischer Grundton zu den verzweifelt kämpferischen Passagen des Tanzes einen starken Kontrast bildet.

Für das mittlere Stück wechselt das Publikum zur größeren Studiobühne I. Mit ihrer Raumhöhe bietet sie die idealen Voraussetzungen für das ausgefallene Universum, das die Schweizer Choreografin Anna Huber in ihrem Stück „Aufräumarbeiten im Wasserfall“ inszeniert hat. Auch sie tritt selbst als Tänzerin in Erscheinung und entwickelt eine Stunde lang ein Szenario mit starken Momenten, aber auch einigen Längen.

Ein aus beweglichen Holzstäben gefertigtes Gitternetz am Boden, sowie einige Lufballons in unterschiedlichen Größen sind die Requisiten. Zu den regelmäßigen Videoeinspielungen auf der großen Leinwand im Hintergrund gehört eine an das erste Stück erinnernde Puppe, mit der die Tänzerin in einen eigenwilligen Dialog tritt. Das Ausloten von Grenzen des eigenen Körpers sowie der umgebenden Welt wird thematisiert. Manchmal traumverloren, dann wieder ungebremst aktiv bewegt sich Huber in dieser Welt, deren Strukturen sich gegen Ende im Chaos auflösen.

Den dramatischen Schlusspunkts setzt dann Sylvia Camarda aus Luxemburg, die in mit ihrer Choreografie „Martyr“ aus Maurice Ravels berühmtem „Bolero“ ein blut- bzw. farbgetränktes Spektakel macht.

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