„Move in Town“ holt das Kölner Ensemble „FREIraum“ in die Fabrik Heeder – und das betanzt lieber den Innenhof als die Bühne.

Das Publikum nimmt auf den Treppen Platz.
Das Publikum nimmt auf den Treppen Platz.

Das Publikum nimmt auf den Treppen Platz.

Die Tänzer des Kölner „FREIraum Ensembles“ nutzen den Innenhof der Fabrik Heeder für ihre Performance.

Aus verschiedenen Richtungen kommen die Tänzer auf den Hof.

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Das Publikum nimmt auf den Treppen Platz.

Krefeld. „Move in Town“ ist ein Format, mit dem zeitgenössischer Tanz in Krefeld schon lange, nämlich seit 1989, gepflegt wird. Diese Tanzproduktion jedoch, die jetzt in Heeder Premiere feiert, hat das Kulturbüro in Auftrag gegeben. Sie soll ein Beitrag zum „Krefelder Perspektivwechsel“ sein. Zumeist traten die Compagnien auf den beiden Heeder-Bühnen auf, im fest umgrenzten Raum, dem Publikum gegenüber.

Nun kommt das Kölner „FREIraum Ensemble“ und betanzt den Innenhof zwischen den Gebäudeteilen, die ein U bilden. Das Publikum darf sich nach Belieben in diesem U aufhalten, viele jedoch ziehen es vor, sich auf die Treppe zur Bühne I zu setzen, da es keine Stühle gibt und die Aufführung eine Stunde dauern soll.

Vier Tänzer sind es – Ronja Nadler, Ruben Reniers, Arthur Schopa, Emily Welther –, die sich zu Beginn auf dem Gang der ersten Etage für den Auftritt kleidungsmäßig präparieren. Sie kommen auf verschiedenen Wegen in den Hof und betanzen die Fläche: Sie rennen umeinander, liegen auf dem Boden, bilden Körperknäuel und ringen miteinander.

Papier, Paartänze und melancholischer Gesang

Derweil bedienen drei Musiker ihre Instrumente, eine Sängerin lässt lautmalerische Töne erklingen und später auch melancholischen Gesang. Ein Tänzer saugt die Treppe zur Bühne II, aus einem oberen Fenster wird eine Tapeten-Bahn, in Heeder war mal eine Tapetenfabrik, hinab gelassen. In die wird eine Tänzerin eingewickelt, kann sich aber aus diesem Kokon wieder befreien. Es folgt ein Solo mit Selbstumfassungen.

Die Herren halten sich zwischendurch in der Pförtnerloge auf und hantieren dort mit Papier. Paartänze enden, eine Tänzerin wird weggetragen, dafür gibt es Zwischenapplaus. Nachdem man eine Papierbahn auf die Treppe zur Bühne I gelegt hat, verschwindet ein Trio hinter den Türen und lässt den Kollegen außen stehen.

Der obere Umgang ist wieder Handlungsort, die Musik wird kreischender und nachdem sich die Tänzer durch das Publikum bewegt haben, wird wieder einer ausgeschlossen, der nun von innen gegen das große Tor anrennt. Ihm wird von außen wieder geöffnet.

Die Frauen lassen dann aus der ersten Etage ein schwarzes Flügelpaar hinunter, das einem Tänzer auf den Rücken geschnallt wird. Unter seiner Führung begibt sich das Quartett zu den Containern am offenen Hofende, klettert hinauf und schaut als starr stehende Gruppe in die Gegend.

Das Publikum klatscht ausgiebig, nachdem deutlich wird, dass damit das Ende der Outdoor-Performance erreicht ist. Aber so will man offenbar nicht aufhören, alle kommen zurück und bewegen sich im wilden Getümmel ausgelassen zu fetziger Musik. So mag es das Publikum, es dankt für eine Show mit tänzerischen Elementen, musikalischen Zutaten und einigen originellen Momenten. Das Ensemble findet sich mit den örtlichen Bedingungen zurecht, bezieht Geländer und Säulen in die Bewegungsabfolgen mit ein.

Der Titel „Here I Am“ soll das Leben freischaffender Tänzerinnen und Tänzer zum Thema haben, ihren Alltag des Konzipierens, Trainierens und Probens. Das gelingt in Ansätzen, nicht immer bleibt die Spannung erhalten. Aber es ist dennoch ein legitimer Versuch, sich einem Publikum auch körperlich zu nähern und die Distanz zwischen Performern und Publikum zu verringern.

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