Choreographin Yoshie Shibahara will die Absurdität historischer Visionen enttarnen

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Mit der Produktion World’ end girlfriend“ endet das Festival „tanz nrw 09“ für Krefeld.

Mit der Produktion World’ end girlfriend“ endet das Festival „tanz nrw 09“ für Krefeld.

Tessa Knapp

Mit der Produktion World’ end girlfriend“ endet das Festival „tanz nrw 09“ für Krefeld.

Krefeld. Also, nein. Eindeutig. Da war die Crew des Raumschiffs Orion einfach weiter. Denn da waren die Damen nicht nur Staffage. An Leutnant Tamara Jagellovsk (Eva Pflug) und auch an General Lydia van Dyke (Charlotte Kerr), immerhin Befehlshaberin der schnellen Kampfverbände, musste sich Commander Cliff McLane (Dietmar Schönherr) trotz oder gerade wegen seiner Machoallüren auch abarbeiten.

Im Stück "World’s end girlfriend", einem Rückblick der Choreographin Yoshie Shibahara auf die Rolle der Frau in vergangenen Zukunftsvisionen, bekommt man hingegen nur Püppchen zu sehen, die allenfalls in einem Zickenkrieg Energie entwickeln.

Mit dem Gastspiel der Produktion Shibaharas in der Fabrik Heeder endete das Festival "tanz nrw 09" für Krefeld. An die in den 60er Jahren in Deutschland so ungemein erfolgreiche Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille Orion" erinnerten sofort die Videoprojektionen des Stücks (Tessa Knapp), die den Look der Orion-Animationen gewollt oder ungewollt kopieren.

Historische Männervision zeigt ihre Lächerlichkeit

Auch die Minirockkleidchen der drei Tänzerinnen Linda Nordström, Sachie Tanaka und Deborah Gassmann versprühen den Charme jenes Futurismus der 60er, der einst visionär erschien und heute nur noch seine Gestrigkeit offenbart.

Die drei Damen staksen über die Bühne, als wäre sie ein Catwalk und vollführen dabei kryptische Gesten, die meist Figuren des Zeigens sind. Nur auf was verwiesen wird, bleibt eben unklar. Alternativ wälzen sie sich auch schon einmal über den Boden, als würden sie Partner dafür erwarten. Die offenbar paarungsbereiten Servicekräfte einer Raumschiffstation starren dabei allerdings starr und kühl, und auch das ganze Stück ist von Shibahara formal streng komponiert.

Trotzdem gestaltet sich die 50-minütige Performance durchaus kurzweilig. Da die historische Männervision, die hier in ihrer Lächerlichkeit bloßgestellt wird, tatsächlich aber nicht so dominant war, dass sie die Geschichte geprägt hätte, hält sich das Amüsement doch in Grenzen.

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