In der Fabrik Heeder zeigt die Kölner Choreografin Ilona Pászthy die Einsamkeit eines Pärchens im globalen Dorf.

So nah und doch so fern: Die Tänzerin Emily Welther kommuniziert mit dem virtuellen Abbild ihres Partners Olaf Reinecke.
So nah und doch so fern: Die Tänzerin Emily Welther kommuniziert mit dem virtuellen Abbild ihres Partners Olaf Reinecke.

So nah und doch so fern: Die Tänzerin Emily Welther kommuniziert mit dem virtuellen Abbild ihres Partners Olaf Reinecke.

Wolfgang Weimer

So nah und doch so fern: Die Tänzerin Emily Welther kommuniziert mit dem virtuellen Abbild ihres Partners Olaf Reinecke.

Krefeld. Nach "Szia" nun also "einszwei": Die Kölner Choreografin Ilona Pászthy zeigte am Samstag in der Fabrik Heeder den zweiten Teil ihrer Trilogie über Kommunikation.

Waren es bei "Szia" fünf Akteure, die Pászthy ins globale Dorf Internet schickte, wo sie trotz aller Möglichkeiten ihre Einsamkeit nicht überwinden konnten, so zeigt "einszwei" ein Pärchen, das sich in den Rausch der virtuellen Kommunikation stürzt.

Der Zuschauer kann sich das Stück erwandern - oder er kann es lassen

Emily Welther und Olaf Reinecke tanzen in zwei von einander getrennten Bühnenräumen. Eine Leinwand, auf der Livebilder aus dem jeweils anderen Raum zu sehen sind, schafft die Verbindung.

Der Zuschauer kann sich das Spektakel erwandern, kann während der Performance von dem einen in den anderen Raum wechseln. Er kann es aber auch lassen. Er wird in jedem Fall immer nur einen Teil des Stücks zu sehen bekommen.

Ein kleiner Flokatiteppich kennzeichnet beide Bühnen als private Räume. Beide Akteure verfügen über eine Videokamera, die als Webcam eingesetzt wird, beide haben ein Mikrofon. Die große Leinwand verleiht den live produzierten Bildern eine unwirkliche Wucht.

Beide Akteure setzen die Kamera auch inszenatorisch ein, arbeiten mit Anschnitten, gekippten Perspektiven. Was diese Performance nebenbei ins Bild setzt, ist die Differenz von Abbild und Realität.

Die Akteure kommunizieren mit den Bildern ihres Partners, und es scheint gerade die Nichterfüllung zu sein, die Intensität auslöst. Ein Tanz zu elektronischer Diskomusik wird auf beiden Seiten mit viel Energie zur Balz-Show, die ihr Versprechen aber eben nicht einlösen muss.

Welther fährt sich mit ihrer Kamera ins Dekollete, sie kann sich im virtuellen Raum ohne Gefahr entblößen. Da sie aber real allein bleibt, muss sie sich ihrer selbst vergewissern.

Einmal kneift sich Welther so in die Haut, dass allein das Zusehen weh tut. Dafür lässt sich die virtuelle Begegnung schnell und schmerzfrei beenden. Herzlicher Applaus von nur wenigen Zuschauern.

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