Theresia Walsers Komödie „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ lässt Nazi-Darsteller im Studio der Eitelkeiten aufeinander los.

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Matthias Oelrich, Ralf Beckord und Christopher Wintgens (v.l.) haben sich bei den Proben „ertappt gefühlt“. Sagt zumindest ihr Regisseur.

Matthias Oelrich, Ralf Beckord und Christopher Wintgens (v.l.) haben sich bei den Proben „ertappt gefühlt“. Sagt zumindest ihr Regisseur.

Matthias Stutte

Matthias Oelrich, Ralf Beckord und Christopher Wintgens (v.l.) haben sich bei den Proben „ertappt gefühlt“. Sagt zumindest ihr Regisseur.

Krefeld. Als Bruno Ganz 2004 Hitler spielte, gab es Erstaunen, Applaus und Häme - irgendwie waren alle drei Reaktionen berechtigt. Denn selten war der Grat zwischen Eitelkeit und Kunst, auf dem Schauspieler wandeln, so schmal wie bei "Der Untergang": Darf man wirklich stolz darauf sein, sich schnaufend, grunzend und R-rollend in ein Monster zu verwandeln? Ist nicht Helge Schneider der einzig wahre Hitler? Und hat nicht erst Quentin Tarantino mit "Inglorious Basterds" die dunkle Nazi-Welt gezerrt, wo sie hingehört - ins Lächerliche?

Auch Theresia Walser, die sich aufgrund ihrer eigenen Erfolge als Autorin des erklärenden Zusatzes "jüngste Tochter von Martin Walser" entledigt hat, wählt mit "Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" (Premiere am Freitag, 20 Uhr) das Mittel der Komödie, um dem Bewältigungszwang zu entgehen: Sie setzt drei mit Nazi-Rollen vertraute Schauspieler - zweimal Hitler und einmal Goebbels - in ein Talkshowstudio und lässt sie über ihre Rollen palavern, also vor allem über sich selbst.

Das Stück als Dauerbrenner - Theater mikroskopieren sich gern selbst

Da die Kameras noch nicht laufen, zeigt das Stück eine klassische Beckett-Situation: "Die Figuren warten, und während sie warten, entlarven sie sich", erklärt Dramaturgin Ulrike Brambeer. "Sie sind in einer Art Endlosschleife gefangen - und stehen am Ende genau so da wie am Anfang."

Ursprünglich war das Stück 2006 eine Auftragsarbeit für das Nationaltheater Mannheim, hat sich aber längst zum Dauerbrenner entwickelt. Was wohl auch damit zu tun hat, dass sich das Theater gern selbst mikroskopiert. Die Darsteller Matthias Oelrich, Ralf Beckord und Christopher Wintgens haben sich jedenfalls "ertappt gefühlt", wie Regisseur Thorsten Duit verrät: "Einige Verhaltensweisen kennt man ja aus Kantinengesprächen oder von Ausrastern bei der Probe."

Bei Walser entwickelt sich aus dem Duell der Eitelkeiten ein komischer Disput über das Wesen der Schauspielkunst und die Hackordnung am Theater: "Vorne Bussi-Bussi und hinten Bratpfanne", wie Brambeer formuliert. "Aber das gibt es vermutlich in anderen Jobs auch."

Premiere am Freitag, 20 Uhr. Weitere Termine bis April. Karten: Tel. 02151/805 125.

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