Intendant Jens Pesel erklärt dem Publikum, wie es zur Krise kommen konnte - und erntet uneingeschränkte Solidarität.

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Kämpfen für das Theater: Intendant Jens Pesel (links) und Generalmusikdirektor Graham Jackson.

Kämpfen für das Theater: Intendant Jens Pesel (links) und Generalmusikdirektor Graham Jackson.

Horst Siemes

Kämpfen für das Theater: Intendant Jens Pesel (links) und Generalmusikdirektor Graham Jackson.

Krefeld. Draußen frostig, drinnen spannungsgeladen, kein Wintermärchen, sondern ein Alptraum: Was soll aus dem Theater werden? Diese Frage steht im Raum - eine Stimmung der Verunsicherung herrscht im Theater Mönchengladbach.

Die Gründe sind hinlänglich bekannt: Das Theater ist durch Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst in finanzieller Schieflage, und Gladbach weigert sich, den Etat aufzustocken. Zu einem Informationsabend hat Intendant Jens Pesel nun ins Mönchengladbacher Haus eingeladen.

Auf der Bühne sitzen am schwarz gedeckten Tisch neben ihm Stellvertreter Christian Tombeil, Generalmusikdirektor Graham Jackson und Pressesprecher Martin Siebold. Im Zuschauerraum haben sich über 300 Freunde des Theaters versammelt. Zunächst stellte Jens Pesel die Lage dar: "Wir wollen dem Wunsch nach Information entsprechen und die Dinge richtigstellen, die in der öffentlichen Diskussion teilweise falsch dargestellt wurden."

Pesel schildert die Ursachen der Finanzlücke, betont, dass die vom Theater geforderten Sparanstrengungen nicht umsetzbar sind. Die Verträge mit den Künstlern und dem technischen Personal seien geschlossen, auch die finanziellen Verpflichtungen wie die Miete der Werkstätten in Fischeln oder des Kaiser-Friedrich-Saals in Mönchengladbach stehen fest.

"Das Theater hat überhaupt keine Stellhebel, um anders zu gestalten", fasst Jens Pesel zusammen. Das Publikum ist für die klare, ausführliche Darlegung dankbar, äußert sich emotional, hin und wieder polemisch, aber immer solidarisch mit dem Theater.

Die Finanzlücke im Theaterhaushalt ist durch die massiven Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst entstanden. Es fehlen in der laufenden Spielzeit rund eine Million Euro und weitere 600 000 Euro in der Spielzeit 2009/10.

In Krefeld ist die Politik sich einig: Zumindest die Erhöhung für die laufende Spielzeit muss kommen und als Sockelbetrag auch in den Folgejahren gelten. Doch in Gladbach sind die Mehrheitsfraktionen CDU und FDP anderer Meinung: Sie wollen das Geld nur als Darlehen zur Verfügung stellen - für das Theater Beginn einer Schuldenspirale.

Die Menschen erkundigen sich nach den Mietverträgen mit den beiden Städten, nach dem Theatervertrag; berichten von eigenen Erfahrungen aus der Anfangszeit der Theaterehe oder aus dem Jugendclub und wollen vor allem eines wissen: "Wie können wir als Bürger dem Theater helfen?" Einige wollen sich nach fast zweieinhalb Stunden noch im Foyer über die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens unterhalten oder sich zu einer Aktion "Rettet das Theater!" zusammenfinden.

Auf der Bühne steht Sachlichkeit im Vordergrund; Emotionen schwappen nicht über. Entscheidend sind nun zwei Termine: Die Kuratoriumssitzung am 15. Januar und die Gladbacher Ratssitzung am 4. Februar. "Hoffentlich geht der Haushaltsbeschluss für die Spielzeit 2009/2010 durch, sonst können wir nicht planen", sagt Siebold. "Dabei tun wir doch alles, damit unser Theater nicht vor die Hunde geht."

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