Die Sinfoniker machen Emotionen hörbar. Nur Solist Hardy Rittner bleibt zu kühl distanziert.

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Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

M. Stutte, privat, Bild 1 von 2

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Krefeld. Anfangs geht es um eine besondere Form von Liebe - die Vergötterung. Der Lehrer Arnold Schönberg war für Anton Webern emotionaler Hintergrund bei der Komposition seiner Passacaglia op. 1: "Es gibt für mich nichts auf der Welt, darin ich nicht von Ihnen gelernt hätte", teilte der junge Mann zum Abschluss des Studiums seinem Lehrer mit. Die 1908 entstandene Passacaglia eröffnete das zweite Sinfoniekonzert am Dienstag im Seidenweberhaus.

Schumann vertonte die Liebe zu seiner Frau Clara

Eine der großen Liebesgeschichten der Musikwelt bestimmte das Klavierkonzert von Robert Schumann. In der Premiere seiner Mini-Tournee am Niederrhein (die WZ berichtete) äußerte sich der gerade mit dem Echo ausgezeichnete Solist des Abends, Hardy Rittner, sehr positiv über sein noch frisches Zusammenspiel mit den Niederrheinischen Sinfonikern: "Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt".

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Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

M. Stutte, privat, Bild 1 von 2

Dirigent Graham Jackson und Pianist Hardy Rittner.

Schumanns Komposition gilt nicht nur als das wichtigste Klavierkonzert der Hochromantik. Es ist auch eine vertonte Liebeserklärung an seine Frau Clara, die den Solopart bei der Uraufführung 1845 in Dresden übernahm. Schumann packte in das Stück zahlreiche Anspielungen auf seine geliebte Clara, ließ im ersten Satz mit der Tonfolge c-h-a-a ihren Kosenamen Chiara erklingen.

Für die Umsetzung dieses Denkmals einer großen Liebe hatte Dirigent Graham Jackson Rittner ausgewählt, weil er die Poesie und Raffinesse Schumanns "auf seine Art dezent" umsetzte: "Schumann braucht das Fingerspitzengefühl und es hat mir gefallen, dass er das nicht übertrieben gespielt hat, nicht jeden Moment ausgekostet hat".

Unter einer "hochromantischen" Liebeserklärung kann man sich aber auch etwas mehr Emotion oder gar Leidenschaft vorstellen. Das distanzierte Spiel des Pianisten spiegelte sich auch im Applaus wider - man hat hier schon entschieden enthusiastischeres Klatschen gehört.

Das Gegenbeispiel war am Ende von Beethovens 4. Sinfonie zu vernehmen. Das ungewöhnlich heitere Werk entstand in einer Zeit, in der er in Josephine von Brunswick verliebt war - das ließen die Sinfoniker hören.

Wiederholung: Freitag, 29.10., 20 Uhr.

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