Drei Jahre lang tanzte Gian Luca Multari für das Krefelder Publikum. Nun zieht es ihn zurück in seine Heimat Italien.

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„Fast immer ausverkaufte Vorstellungen, das gibt es in Italien nicht“: Gian Luca Multari wird das Krefelder Publikum vermissen.

„Fast immer ausverkaufte Vorstellungen, das gibt es in Italien nicht“: Gian Luca Multari wird das Krefelder Publikum vermissen.

Jörg Knappe

„Fast immer ausverkaufte Vorstellungen, das gibt es in Italien nicht“: Gian Luca Multari wird das Krefelder Publikum vermissen.

Krefeld. Als Tod im Ballettabend "Tempus fugit" hat er sich dem Krefelder Publikum vorgestellt, und als großer Komponist verabschiedet er sich in der umjubelten Produktion "Tschaikowskys Träume". "Auf der Bühne bevorzuge ich das Drama", sagt Gian Luca Multari und lächelt freundlich.

Drei Jahre lang hat der aus Norditalien stammende Tänzer neben der dramatischen aber auch andere Facetten gezeigt. So tanzte er in Mönchengladbach den Elfenkönig Oberon im "Sommernachtstraum" und steht dort nun als Casanova auf der Bühne des Theaters im Nordpark. Die Figur des charmanten Lebemannes hat er gemeinsam mit Ballettdirektor Robert North erarbeitet und im März zur Uraufführung gebracht.

North holte den Tänzer vor drei Jahren aus Turin an den Niederrhein. Multari tanzte nach seiner Ausbildung in seiner Heimatstadt Asti fast zehn Jahre am Turiner Teatro Nuovo. Dort arbeitete er nicht nur mit North sondern auch mit anderen bekannten Gastchoreografen wie Matz Ek und Renato Zanella.

An North schätzt er die Klarheit und Präzision der Choreografie. "Jeder Schritt passt zur Musik", sagt er. Ob wie bei "Casanova" barocke Töne oder schwärmerische Klänge von Tschaikowskys, Multari mag die unterschiedlichen Stile. Sie geben neben der exakten Ausführung der Tanzschritte einem Tänzer ganz unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten. "Man muss den Tanz und die Darstellung zusammenbringen, das ist manchmal schwer", sagt Multari.

"Als alter Tschaikowsky soll ich Erschöpfung zeigen - und das beim Tanz."

 

Gian Luca Multari, Tänzer

Das gilt ganz sicher für seinen Tschaikowsky. Hier muss er nicht nur einen komplexen Charakter, sondern auch einen Mann in verschiedenen Lebensaltern verkörpern. Sich in den alten, vom Tode gezeichneten Komponisten hineinzudenken, war für den vitalen Tänzer anfangs schwer. "Ich sollte immer mehr Erschöpfung zeigen - und das beim Tanz" beschreibt er die Proben.

Die Begeisterung des hiesigen Publikums überrascht den Künstler. "Fast immer ausverkaufte Vorstellungen, das gibt es in Italien nicht", sagt er. Trotzdem zieht es ihn in seine Heimat zurück, denn in Deutschland vermisst er die italienische Lebensweise. Konkrete Pläne hat er noch nicht, aber gemeinsam mit seiner Partnerin, der Tänzerin Giada Rigoli, sucht er neue Herausforderungen an. "Es ist einfach Zeit für einen Wechsel", sagt er. Das hiesige Ballettpublikum wird das anders sehen und ihm sicher einen besonders kräftigen Schlussapplaus schenken.

Letzter Auftritt in Krefeld: "Tschaikowskys Träume" am 15. Juli.

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