Die Rockröhre Saint Lu tobt und tanzt wie ein Derwisch über die Bühne. Und öffnet Bierflaschen am Türrahmen.

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Mit unbändiger Energie stürmt Saint Lu die Bühne: Die rund 50 Zuschauer in der Kulturfabrik ließen sich gerne mitreißen.

Mit unbändiger Energie stürmt Saint Lu die Bühne: Die rund 50 Zuschauer in der Kulturfabrik ließen sich gerne mitreißen.

Andreas Bischof

Mit unbändiger Energie stürmt Saint Lu die Bühne: Die rund 50 Zuschauer in der Kulturfabrik ließen sich gerne mitreißen.

Krefeld. Ein Teppich bedeckt den Bühnenboden, zwei Stehlampen stehen neben dem Schlagzeug. Durch das schummrige Licht wirkt die Kulisse wie ein Wohnzimmer. Die Instrumente sind mit bunten Tüchern verhängt, und am Mikrofon baumelt zu allem Überfluss eine Gardine.

Vor diesem Hintergrund erwartet der Besucher der Kulturfabrik am Sonntagabend gemütliche Kuschelmusik - und bekommt genau das Gegenteil geboten. Saint Lu stürmt die Bühne und verblüfft das Publikum mit ihrer tiefen Soulstimme, die so gar nicht zu der zierlichen blonden Frau passen will. Doch dieses raue Organ ist genau das richtige Instrument, um den lauten Rock ihrer Band zu übertönen.

Sie hat erst eine CD - dann muss sie die Lieder halt doppelt singen

Die etwa 50 Zuschauer sind begeistert, pfeifen und johlen bei den Gitarrensoli. Saint Lu praktiziert derweil so heftiges Headbanging, dass sie sich auf die Knie wirft und dabei das Mikro umschmeißt. Die 25-Jährige springt während des Auftritt wie wild über die Bühne, wobei sie aus Versehen Wasserflaschen umtritt und sich selbst die Bandkollegen in Sicherheit bringen müssen. Das Wasser wird kurzerhand durch eine Flasche Bier ersetzt, die Saint Lu mit einer geübten Bewegung am Türrahmen öffnet, bis das Bier nur so heraussprudelt. So gehört sich das eben für eine echte Rockerin.

Während am Anfang des Konzerts der Eindruck entsteht, die Sängerin sei etwas abwesend und sehr in ihre Musik versunken, ändert sich das später: Saint Lu plaudert an mit dem Publikum, fordert die Leute zum Mitsingen und Tanzen auf und lässt eine La-Ola-Welle losrollen. Der Gitarrist bewertet durch leise und laute Töne den Gesang des Publikums - und das spornt die Zuhörer erst so richtig an.

Auf den Hinweis der Sängerin, das sei nun das letzte Lied, sie habe schließlich erst eine CD, ruft das Publikum: "Dann fangt doch wieder von vorne an." Drei Lieder wiederholt sie, bevor das Licht angeht und alle in ihr eigenes Wohnzimmer zurückkehren.

Die 25-jährige Luise Gruber lebt heute in Berlin, stammt aber ursprünglich aus Österreich. Seit drei Jahren macht sie professionell Musik.

Debütalbum heißt "Saint Lu", die erste Single "Don’t Miss Your Own Life".

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