Die Krefelder Band Provinztheater will die Fußgängerzonen erobern und Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten.

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Man sieht, diese jungen Männer machen Musik fürs Volks. Und das Publikum ist meist entzückt.

Man sieht, diese jungen Männer machen Musik fürs Volks. Und das Publikum ist meist entzückt.

Provinztheater

Man sieht, diese jungen Männer machen Musik fürs Volks. Und das Publikum ist meist entzückt.

Krefeld. Es war der Beginn einer heißen musikalischen Affäre: Als Nicolai Skopalik und Philipp Maike vor drei Jahren eines Nachts gemeinsam vom Feiern nach Hause gingen, stellte Philipp die Frage aller Fragen: "Willst du noch mit hochkommen?" Nicolai wollte, die beiden jammten an ihren Gitarren bis zum Morgengrauen und merkten schnell: Das passt.

"Seitdem haben wir häufig zusammen Musik gemacht: am See, im Stadtwald, ganz unverbindlich", erinnert sich Skopalik, Mitglied des Künstlerkollektivs Sputnic. "Aber ich hatte von Anfang an größere Ambitionen."

Gemeinsam entwarfen die beiden mit der Zeit eine Vision: "Wir machen Musik fürs Volk", sagt Maike. "Der Masterplan ist, mit einem Bauwagen als mobile Bühne durch die Gegend zu tingeln." Doch dafür musste erst einmal personelle Unterstützung her. "Wir wollten wirklich die besten Leute an den Instrumenten haben", erklärt Maike. Monatelang leistete er Überzeugungsarbeit bei den vier Wunschkandidaten, die alle auch in anderen Krefelder Bands aktiv sind. Aber die Songs und die kommunistisch anmutende Philosophie der beiden Vordenker überzeugten auch den letzten Zweifler. Das Provinztheater war geboren.

Den Bauwagen kann sich die Band zwar momentan noch nicht leisten, aber das hält sie nicht von ihrer musikalischen Reise ab: Mit mobilem Equipment, das an kleinen Handwagen befestigt ist, tourt sie seit Sommer durch die Fußgängerzonen der Nation. Dabei meidet die selbsternannte "Hawazuzi-Kapelle" ("Handwagen zum Ziehen") die Metropolen und bevorzugt die Provinz: Kempen statt Köln, St. Tönis statt Stuttgart, Breyell statt Berlin.

Aber wie klingt die Volksmusik des Provinztheaters? "Wir machen Rumpelpolka und Kartoffelrock mit deutschen Texten, die meist von Herzschmerz handeln", beschreibt Skopalik den Stil der Band. Diese irre Mischung, gespielt mit exotischen Instrumenten wie Schreibmaschine, Kuhglocken oder Hupe, scheint anzukommen. "Wir machen wahnsinnige Erfahrungen in den Fußgängerzonen: 16-jährige Hip-Hopper lassen sich spontan zu Breakdance-Einlagen hinreißen, Gothic-Typen singen mit, und ältere Damen brechen schon mal in Tränen aus."

Pawel Kowalczik (Nicolai Skopalik) singt und spielt Gitarre, Kuhglocken sowie Schreibmaschine. Franz Förster (Philipp Maike) zupft die Gitarre, singt, spielt Kazoo, Tröte, Mundharmonika sowie den Kassettenrekorder. Jakob Förster (Benjamin Haarhaus) kümmert sich wild und ungezähmt um das Schlagwerk, das Glockenspiel und die Hupe. Marek Spielmann (Ralf Deling), der Meister der dunklen Saiten, ist Herr über den Bass. Sein okkulter Gesang verzaubert. Anton Stadler (Moritz Krämer) quetscht das Akkordeon und das Harmonium. Erik Falkner (Henning Lindeke) ist der Experte für Posaune und Bariton-Tuba.

Das Provinztheater ist am 8. Januar, 22.30 Uhr, im Nachtcafé des Casablanca-Kinos, Lewerentzstraße 40, zu sehen. Am 9. Januar spielt es ab 14 Uhr in der Mönchengladbacher Fußgängerzone.

Das Provinztheater versteht sich nicht nur als Band, sondern als Kunstprojekt: "Wenn wir unsere Anzüge anhaben, spielen wir eine Rolle. Um das transparent zu machen, haben wir uns alle Pseudonyme zugelegt", erklärt Maike. "Dabei haben wir uns vom Wanderzirkus inspirieren lassen. Ich heiße zum Beispiel Franz Förster, der Drahtseilartist."

Animiert durch die positive Resonanz hat sich die Band auch für den Eurovision Song Contest beworben. "Die Teilnahme am Casting war die logische Konsequenz unserer Mission, fürs Volk zu spielen", findet Skopalik. Sein großer Traum ist ein anderer: "Ich will unbedingt einmal im ZDF-Fernsehgarten auftreten."

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