Viel Applaus für „Zar und Zimmermann“ in Krefeld. Bühnenbild und Kostüme (Stefan Rieckhoff) versetzen die Handlung nicht ins 17. Jahrhundert, wo sie hingehört, sondern in die Entstehungszeit der Oper, ins vorrevolutionäre Biedermeier.

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Das Bühnenbild erinnert an eine Puppenstube.

Das Bühnenbild erinnert an eine Puppenstube.

Martin Siebold

Das Bühnenbild erinnert an eine Puppenstube.

Krefeld. Ungewohnt grausam lässt Regisseur Michael Sturm im Krefelder Stadttheater Albert Lortzings (1801-1851) komische Oper "Zar und Zimmermann" beginnen. Während der Ouvertüre erlebt der kindliche Zar die Hinrichtung dreier Verwandter. Die Geister der Männer und sein Kinder-Ich tauchen dann später immer wieder auf. Das historisch verbürgte Trauma des Zars Pe-tersI. konterkariert das Beschauliche des seit seiner Entstehung äußerst beliebten Singspiels.

Bühnenbild und Kostüme (Stefan Rieckhoff) versetzen die Handlung nicht ins 17. Jahrhundert, wo sie hingehört, sondern in die Entstehungszeit der Oper, ins vorrevolutionäre Biedermeier. Ort der Handlung ist anstelle einer Werft ein Saal - die im Delfter Weißblau mit Segelschiffen bemalten Wände verleihen dem Raum trotz Größe Puppenstubencharakter.

Peter I. (Michael Kupfer) arbeitet inkognito als Schiffszimmermann im niederländischen Saardam. Als darüber Gerüchte aufkommen, soll Bürgermeister van Bett (Christoph Erpenbeck) den Zaren ausfindig machen, aber er verdächtigt schnell den Falschen, nämlich den russischen Deserteur Peter Iwanow (Markus Heinrich).

Beide Peter möchten nicht entdeckt werden. Dass van Bett sich an den Deserteur Iwanow hält, mag daran liegen, dass ihm dessen Liaison mit seiner Nichte Marie (Isabelle Razawi) missfällt.

Überwiegend aber liegt es an seiner Dummheit, die Erpenbeck mit viel Komik zur Schau stellt, ohne in eine Karikatur zu verfallen. Van Bett ist als Antiheld der Angelpunkt der Handlung, die als eine Reihe drolliger Missverständnisse amüsiert. Am Ende kann der Zar gen Heimat entkommen, und Iwanow bekommt seine Marie. Alles wird gut.

Chordirektor Heinz Klaus ersetzte bei der Premiere den erkrankten Kenneth Duryea am Dirigentenpult. Erpenbeck spielte trotz Erkrankung, gesanglich war ihm das nicht anzumerken.Viel Applaus besonders für ihn, aber auch für Kupfer, Heinrich und Razawi. 165 Minuten, eine Pause. Auff.: 28. Februar, 25. März, 1., 14., 15., 23. Mai. Karten: 02151/805125.

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