In der Rampe kämpften Poeten und Wortkünstler um die Gunst des Publikums – mit sehr unterschiedlichen Methoden.

David Grashoff fordert: „Stellt die Welt auf den Kopf“.
David Grashoff fordert: „Stellt die Welt auf den Kopf“.

David Grashoff fordert: „Stellt die Welt auf den Kopf“.

Dirk Jochmann

David Grashoff fordert: „Stellt die Welt auf den Kopf“.

Krefeld. Der Favorit siegte: Patrick Salmen aus Wuppertal, Deutscher Meister im Poetry Slam, verwies beim „Papp‘Ala‘Papp“ in der Kulturrampe Alexander Bach aus Köln im Finale auf den zweiten Platz. Sieben Teilnehmer stellten sich einer fünfköpfigen Jury. Der Wettbewerb hatte Highlander-Status, das heißt, der Gewinner ist für die nächste Deutsche Meisterschaft in Hamburg qualifiziert.

Die besessene Mitbewohnerin hat in Wahrheit nur Herrenbesuch

„Papp’Ala’Papp“ findet sonst in der Kneipe Jules Papp statt, für die Open-Air-Variante hatte man sich in diesem verregneten Sommer einen geeigneten Ort ausgesucht. Als die ersten Tropfen fielen, konnte man schnell in die Rampe wechseln. Die Folk-Blues-Band Jaana unterhielt die zahlreichen Gäste in den Pausen. Die Krefelderin Hatice Gönüleri, selbst Slammerin, moderierte.

Der spätere Finalist Bach eröffnete den Wettbewerb mit einem schwächeren Text. Schnell begriff man, dass die vom Erzähler für besessen gehaltene WG-Mitbewohnerin lediglich Herrenbesuch hat.

Johannes Floehr vertrat Krefeld bei diesem Wettbewerb. Der 20-Jährige überstand die Vorrunde nicht. Er müsste noch an seiner Sprechtechnik feilen, auch glänzten seine Sprachspielereien zum Thema Verrücktheit nicht gerade durch Originalität.

„Drogen sind keine Lösung? Man muss nur die richtigen Probleme haben.“ Der Kölnerin Julia Roth gelang zwar der Einstieg in ihre Kiffer-Story, doch dann taumelte ihr Text mit stets gleichbleibender Satzmelodie vor sich hin. Sie schied aus.

Bei einem Poetry Slam (Dichterwettstreit) treten Autoren mit selbstgeschriebenen Texten gegeneinander an. Alle literarischen Formen sind erlaubt. Komische Texte dominieren meist, denn Pointen sorgen oft für Punkte.

Die Teilnehmer müssen sich an ein Zeitlimit halten. In der Kulturrampe waren es sechs Minuten. Eine gelungene Performance kann zum Erfolg beitragen. Kostüme, Requisiten und zu viel Gesang sind allerdings verboten.

Patrick Salmen untermauerte in der Vorrunde seine Favoritenrolle. In „Morgenstund’ hat Schrot im Mund“ geriert sich ein Spießer antibürgerlich. Mit dem Satz „Ich habe eine Axt“ begegnet er Zumutungen des Alltags. Die brachialen Pointen saßen, Salmen kann sich auf die Wirkung seiner sonoren Stimme verlassen.

Im Dortmunder Fan-Block das Schalke-Lied singen? Besser nicht!

Jan Möbus (Remscheid) scheiterte mit einem Brief an die Erfolgsautorin J. K. Rowling („Harry Potter“), David Grashoff (Wuppertal) hingegen schaffte es mit seiner Ansammlung von Imperativen unter dem Motto „Stellt die Welt auf den Kopf“ ins Halbfinale. Seinen Rat „Geh in den Dortmunder Fanblock und singe das Schalke-Lied“ sollte man besser nicht befolgen.

Mit Halbfinale und Finale zog sich der Abend fast über drei Stunden hin. Viele Pointen entschädigten dafür.

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