Otto Boll wohnt seit 20 Jahren in Krefeld, jetzt wird er in Düsseldorf für das Rheinland entdeckt.

Die Werke von Otto Boll sind häufig Hingucker.
Die Werke von Otto Boll sind häufig Hingucker.

Die Werke von Otto Boll sind häufig Hingucker.

Dirk Jochmann

Die Werke von Otto Boll sind häufig Hingucker.

Krefeld. „Ich habe seit 1982 mein Atelier in Krefeld. Aber ich glaube nicht, dass mich hier jemand als Künstler kennt“, sagt Otto Boll im Gespräch. Das ist schade, denn der Bildhauer erregt gerade in der Düsseldorfer Galerie Schönewald Fine Arts Erstaunen angesichts seiner filigranen Werke.

Otto Boll ist Minimalist. Seine dreidimensionalen „Striche“, die er in den Raum hängt, sind Hingucker. Das heißt jedoch nicht, dass er bombastische Werke produziert. Im Gegenteil, er zwingt den Betrachter zum genauen Hinschauen, damit er überhaupt etwas sieht. Denn seine stereometrischen Körper aus geschwärztem Stahl und Aluminium, diese Winkel, Kreise und Ellipsoide, hängen an kaum wahrnehmbaren Nylonfäden und wirken, als würden sie sich selbst auflösen.

Stahl-Spezialist, der ganz dünne Drähte anspitzt

Dieser Mann vom Niederrhein, der 1975 bis 1980 bei dem sehr abstrakt arbeitenden Bildhauer Ernst Hermanns in Münster studierte, ist ein Perfektionist. Ein Stahl-Spezialist, der mit der Bandschleifmaschine ganz dünne Drähte anspitzt. Er sagt: „Mein Ausgangspunkt ist ein drei Millimeter starker Stahldraht, den ich mit einer Maschine so lange drehe und schleife, bis sich die Stahlspitze gegen Null bewegt.“

Zugleich schleift er einen 1,5-Millimeter-Stift vom „dicken“ Ende des Rundstabes ab, steckt ihn in das Bohrloch eines gleichfalls schmaler werdenden Aluminium-Teils und klebt beides zusammen.

Warum diese Mühsal? „Die Millimeter-Arbeit hat sich so ergeben. Ich wollte eine Form haben, die zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Körper und Leere existiert.“ Entstanden ist eine doppelte Spitze, die voller Energie ist und dennoch fast wie ein Nichts wirkt. Seine Objekte artikulieren den Raum und sind doch von beispielloser Leichtigkeit. Der Betrachter schaut wie gefesselt an die Decke, wo sie fast bewegungslos hängen.

Der Raumeindruck lässt sich nicht vermitteln

Otto Boll wurde 1952 in Issum geboren, studierte in Münster. Er erhielt wichtige Stipendien wie den Karl-Schmidt-Rottluff-Preis, den Förderpreis des Kulturkreises im BDI, den Kunstpreis Junger Westen sowie den Piepenbrock-Förderpreis für Bildhauerei.

Sieben Arbeiten von Boll werden bei Schönewald Fine Arts in Düsseldorf gezeigt, Lindenstraße 182, bis 20. Februar zu sehen, di - fr 10-18, sa 11-15 Uhr.

Und warum ist dieser Künstler hierzulande unbekannt? Er nennt zwei Gründe: „Wenn Sie meine Kataloge anschauen, sehen Sie nur Linien. Der Raumeindruck lässt sich nicht vermitteln. Außerdem sitzen meine Galeristen in München und Berlin, aber nicht im Rheinland.“

Ganz unbekannt ist Boll dennoch nicht, er erhielt Stipendien und Förderpreise. So zum Beispiel den Karl-Schmidt-Rottluff-Preis, den Förderpreis des Kulturkreises im BDI, den Kunstpreis Junger Westen und den Piepenbrock-Förderpreis für Bildhauerei.

Und Otto Boll hat Sammler. Seine wirtschaftliche Situation beschreibt er so: „Ich kann fast von der Kunst leben. Wenn mir etwas zum Leben fehlt, habe ich ja meine Frau, die ist Lehrerin.“

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