Im König-Palast beweist der Kabarettist Aktualität und politischen Mut.

Dieter Nuhr in seinem Element.
Dieter Nuhr in seinem Element.

Dieter Nuhr in seinem Element.

Dieter Nuhr in seinem Element.

Krefeld. Dieter Nuhr füllt spielend selbst große Veranstaltungshallen wie am Freitag den König-Palast. Das liegt sicher auch daran, dass der Querdenker zu den mutigsten Kabarettisten in Deutschland zählt. Angstfrei greift er aktuelle Themen wie Flüchtlinge, Islamisten, Terroristen und Nazis auf und nimmt dafür Shitstorms im Internet und gerichtliche Auseinandersetzungen wie die (erfolgreich abgewehrte) Anzeige eines Moslems wegen Volksverhetzung in Kauf. In seinem Programm „Nur Nuhr“ erlebt man ihn pur – ohne Bühnenbild oder Schnickschnack.

Auch Pegida, AfD und Rapper Bushido bekommen ihr Fett weg

Nuhr scheut sich nicht, Dinge beim Namen zu nennen, bezeichnet islamistische Terroristen als „Arschlöcher, die uns den Spaß verderben wollen“. Und spricht bei Pegida- und AfD-Anhängern von „Nazis und braunem, pöbelndem Pack“, das vor Flüchtlingsunterkünften sein Unwesen treibt. Sein Fazit: „Auf jedem Luxusdampfer gibt es auch Ratten.“ Diese Offenheit macht ihn sympathisch und legitimiert ihn, sich darüber lustig zu machen – satirisch, bissig und bisweilen sarkastisch. Wenn er über islamische und afrikanische Länder spricht, weiß er genau, was er sagt, weil er diese Länder selbst bereist hat.

Dass ihn ein bekannter Rapper wie Bushido persönlich verhöhnt und in einem Song mit verbalen Fäkalien bewirft, ficht Nuhr nicht an. „Ich komme in Bushidos Album vor, ich bin jetzt unsterblich“, kontert er auf seine Art und äfft den Rapper mit seinen obszönen Gesten und Worten genüsslich nach.

Nuhr verurteilt die primitive Aggressivität, mit der Andersmeinende, vor allem im Internet, verfolgt werden. Er vergleicht das mit der früher geübten Lynchjustiz und mit den Pogromen zur Nazizeit. Heute finde die Vernichtung digital statt. „Der Shitstorm ist die Hexenverbrennung des 21. Jahrhunderts“, befindet er.

Es ist keine leichte Kost, die Nuhr seinem Publikum präsentiert. Das unterscheidet den Kabarettisten und Moderator von einem Comedian, obwohl er sich ohne zu murren auch dieses Etikett anheften lässt. Es geht ihm nicht um die schnelle Pointe, auch wenn er darauf nicht verzichtet. Die kommt erst ganz zum Schluss, nachdem er seine Gedanken in aller Ruhe entwickelt hat – manchmal von hinten um die Ecke.

Trotz seiner ernsten Themen kann Nuhr auch lustig. Etwa wenn er sagt „Ich bin gegen Nazis, aber auch gegen Wespen und Filzläuse.“ Oder wenn er in einem Atemzug kleine Männer mit aggressivem Verhalten aufzählt wie Wladimir Putin, Kim Jong-un, Erich Honecker und Justin Bieber. Das begeisterte Publikum entlässt ihn nach drei Stunden Unterhaltung nicht ohne mehrere Zugaben.

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